Samples finden sich überall in der Popgeschichte der letzten 50 Jahre. Der Popjournalist Jens Balzer erzählt die Geschichte dieses Phänomens mit vielen Beispielen. Über Samples in der Musik denken wir meistens nur nach, wenn Gerichte darüber Urteile fällen.

 

Neulich entschied eins, dass ein deutscher Rapper ein Sample der Elektronikavantgardisten von Kraftwerk benutzen darf, um daraus einen Beat für seine Musik zu basteln. Kraftwerk sahen ihre Urheberrechte verletzt und hatten deswegen dagegen geklagt. Das Gericht entschied, dass jedes Sample zulässig ist, das eine Auseinandersetzung mit seiner Herkunft, mit der Musikgeschichte erkennen lässt. Was das heißt, das ist strittig, führt aber – über alle Urheberrechtsfragen hinaus – zum Kern der ästhetischen Bedeutung des Samples.

Seit den Anfängen um 1970 ist Sampling zu einem prägenden Verfahren im Pop geworden. Vielleicht könnte man sagen: Mit ihm ist die Heterogeneität in den Pop eingezogen, das Andere, das Außen, das Material. Was mit dem Anderen passiert: das ist die Frage. Es kann angeeignet werden, um die eigene Musik in eine Tradition einzuordnen – so war es bei den Hip-Hoppern der Neunzigerjahre, die sich mit ihren Jazz- und Funk-Samples als Erben der afroamerikanischen Musikgeschichte darstellten. Es kann aber auch als das Fremde, Nicht-Identische kenntlich bleiben – so ist es bei den elektronisch produzierenden Songwritern der Gegenwart, die ihre eigenen Stimmen, ihren Gesang sampeln und sich selbst gegenüberstellen, um damit Echoräume einer zersplitterten Subjektivität zu erschaffen. Vom historischen Zitat, das der Identifikation dient, ist das Sample im Pop der Gegenwart entweder zum reinen Kommerz oder zum Spiegel unversöhnter Identitäten geworden.

 

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© Bayern 2, Nachtstudio, 20.5.2018

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