Er schuf eines der originellsten Ensembles der Jazzgeschichte und revolutionierte sein Instrument: Zum Tod des Tubaspielers Howard Johnson. Gewichtig ist alles an ihm gewesen: seine äußere Erscheinung, seine Kreativität, sein Selbstbewusstsein, nicht zuletzt sein Instrument.

Howard Johnson hat für den modernen Jazz die Tuba wiederentdeckt, die vom Aussterben bedroht war, nachdem ihr natürlicher Lebensraum, die Straßen und Plätze von New Orleans, für Paraden, Mardi-Gras-Umzüge und opulente Beerdigungen geschrumpft war und der Jazz Einzug in die glamourösen Tanzhallen der Roaring Twenties gehalten hatte. Johnson wusste aber auch, dass das Image instrumentaler Kuriosität, das der Tuba später noch anhaftete, nicht durch musikalisches Understatement, vielmehr durch Übertreibung verändert werden konnte. So schuf er mit „Gravity“ 1968 eines der originellsten Ensembles in der langen Geschichte des Jazz: Mit sechs, bisweilen sogar neun Tubisten in einer Band war es die Unabhängigkeitserklärung von der musikalischen Begleitfunktion und zugleich ein eindrucksvoller Beweis für die Solotauglichkeit des tiefen Blechblasinstruments.

Mit seinem melodischen Tubaspiel und seiner chorischen Besetzung des Instruments hat er zahlreiche Bigband-Chefs auf sich aufmerksam gemacht, die ihn als Komponisten, Arrangeur und Solisten beschäftigten. Johnson war Mitglied der Bands von Duke Ellington, Charles Mingus und Quincy Jones, Solist und Arrangeur für das Jazz Composer’s Orchestra, Charlie Hadens Liberation Music Orchestra, verschiedene experimentelle Ensembles von Gil Evans und bei Carla Bleys aufwendigem Jazzopernprojekt „Escalator over the Hill“.

© FAZ, Feuilleton, 13.1.2021

6 Comments

  1. P. S.: Die Gravity-CD die ich habe ist von 1996. Laut Discogs ist es die erste von 3 CD’s. In der deutschen Wikipedia steht, Johnson hätte Gravity 1977 gegründet, in der englischen steht davon nichts. Im Artikel oben ist als Gründungsjahr 1968 angegeben, da war er beim JCOA tätig, zum Beispiel bei der Einspielung mit Cecil Taylor. Gravity ’68 hab ich sonst nirgendwo gefunden, vielleicht ein Verschreiber.

    1. Danke Lucky das du dem nachgegangen bist. Da ich letztens wieder „Escalator over the Hill“ angehört habe, ist mir Howard Johnson noch gut im Ohr. Machst du gerade eine Pause? „Legs“ war Ende 2020 …

      portfuzzle
  2. Nach „Legs“ kam der „Final Mix“ an Silvester. Pause, ja. Evtl. mehr, das ist noch offen. Eigentlich ist es Zeit für eine Veränderung, und der 50. Geb. ist ein guter Zeitpunkt, so etwas anzugehen.

  3. Das hatte ich übersehen. Veränderungen sind per se gut, aber manchmal schwierig umzusetzen. Aber ja. Nachdenken ist auch gut. Ob dir die 50 dabei hilft, 😉 Ich bin gespannt…..

    portfuzzle

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