Er hatte einen besonderen Sinn für Momente der Ruhe und Besinnung, manchmal schien er sich in der Schönheit einer gerade gefundenen Melodie zu verlieren. Am Freitag ist der Jazz-Bassist Gary Peacock gestorben.

Von Thomas Steinfeld

Das Trio, mit dem Keith Jarrett die „standards“ spielte, die kleinen, aber unendlich bedeutenden Werke, aus denen sich die Tradition des Jazz zusammensetzt, spielte zum letzten Mal im Sommer 2013 in München: links der Pianist, oft halb stehend, als könne er so das Innerste seines Flügels erreichen, rechts Jack DeJohnette, jede Trommel, jedes Becken behandelnd, als seien sie selbständige Instrumente.

In der Mitte aber stand Gary Peacock, der Bassist, und diese Ordnung hatte offenbar ihren Grund nicht nur darin, dass die meisten Trios dieser Art so auftreten. Sie entfaltete ihren Sinn zum Beispiel, wenn Keith Jarrett das musikalische Gerüst einer Komposition so reduzierte, das nur noch eine Ahnung davon übrig blieb: Dann trat immer wieder der Bass in diesen offenen Raum, schuf Zusammenhänge, an deren Möglichkeit man nie gedacht hätte, ging ins Freie und Prekäre, ohne doch nur für einen Augenblick den Puls zu verlieren, wurde kühn und abenteuerlich (was manchmal auf Kosten der Intonation ging).© Süddeutsche Zeitung

Nachruf auf Gary PeacockFlugstunden mit einem Koloss

Zwischen Albert Ayler und Keith Jarrett: Der stilprägende Jazzbassist Gary Peacock ist tot. Von Gregor Dotzauer

….Als er Ende der 50er Jahre in die USA zurückkehrte, war er nicht nur bereit, dem Kontrabass jene melodiöse Beweglichkeit zu geben, die sein Freund Scott LaFaro dem Instrument im Trio des Pianisten Bill Evans in der Geschichte des Jazz wie kein anderer verliehen hatte. Er fand auch Gefallen an den funktionsharmonischen Abrissaktionen, mit denen der Saxofonist Ornette Coleman die Revolution des Free Jazz einleitete…. © Der Tagesspiegel

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