In die Debatte um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk werden zunehmend auch dessen Klangkörper hineingezogen. Hartmut Welscher hat in einer umfangreichen Recherche mit Musiker:innen und Verantwortlichen der Rundfunkorchester gesprochen. Dort weiß man, dass man sich positionieren muss, bevor es zu spät ist. Nur gibt es viele unterschiedliche Auffassungen davon, wie das passieren sollte.

Start-ups nutzen Bewerbungsverfahren gerne dafür, die Problemlösungskompetenz der Bewerber:innen zu prüfen, indem Fragen gestellt werden, auf die man selbst noch keine Antwort gefunden hat. Ähnlich dachte wohl auch der WDR, als er im Frühjahr 2020 in der Ausschreibung für die Leitung des Orchestermanagements beim rundfunkeigenen Sinfonieorchester neben Lebenslauf und Motivationsschreiben ein einseitiges Konzeptpapier einforderte. Thema: ›Welche Aufgaben hat das WDR Sinfonieorchester in der heutigen (Medien)welt‹?

Von der Beantwortung dieser Frage wird mehr abhängen als nur eine Jobzusage. Noch tauchen in der Debatte um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk dessen Klangkörper zumeist nur als Randnotiz auf. Musiker:innen und Verantwortliche der Rundfunkorchester machen sich aber keine Illusionen darüber, dass auch sie zunehmend in deren Fahrwasser hineingezogen werden, unabhängig davon, ob die Beitragserhöhung nun kommt oder nicht. »Wir werden alle ein echtes Thema kriegen«, meint ein Orchestermanager. »Und ich glaube tatsächlich, dass es alle treffen wird.«

Bislang kommt der Druck auf die Rundfunkorchester weniger aus der Öffentlichkeit als aus den Rundfunkanstalten selbst. Die Orchester wirken dabei bisweilen wie Fremdkörper im eigenen Haus. »Es gibt im Sender keinen Plan, was man mit dem Orchester anfangen soll, keine Vision, kein Narrativ«, so ein Musikredakteur. Das liegt auch daran, dass die Hörfunkdirektor:innen und Abteilungsleiter:innen, die über die Klangkörper bestimmen, nicht immer diejenigen sind, die damit am meisten anfangen können.

© VAN Magazin, 13.1.2021

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