Petra Hartlieb „Wendeltreppe ins Buchgeschäft“ Porträt der Autorin und Buchhändlerin Von Nikolaus Scholz

Die Corona-Krise traf Petra Hartlieb wie viele von uns wie ein Blitz aus heiterem Himmel. „Es gab Zeiten in meinem Leben, da hatte ich ständig Existenzängste. Als 21 jährige Alleinerzieherin ohne finanziellen Background, wusste ich oft gegen Ende des Monats nicht, wie sich das alles ausgehen soll. 

Und jetzt, dreißig Jahre später beichte ich: Ich habe einmal ein Paket Windeln (kein Klopapier!) im Drogeriemarkt geklaut und einmal ein Buch mitgehen lassen (dafür schäme ich mich immer noch)“ schreibt die in München geborene und in Oberösterreich aufgewachsene Autorin Petra Hartlieb Mitte März 2020 auf ihrer Homepage.

Nach der verordneten Schließung der Buchhandlung sieht sie sich erneut mit Existenzängsten bedroht. Wie soll sie die Miete bezahlen? Die Abgaben? Den Strom? Das Internet? Dabei hatte alles vor 16 Jahren harmlos begonnen. Bei einem Abendessen erfuhren Petra und ihr Mann von der Schließung einer kleinen Wiener Traditionsbuchhandlung mit braunen Schaufensterrahmen aus den Siebzigern. Aus der anfänglichen „Schnapsidee“, die düster wirkende, enge und voll geräumte Buchhandlung zu kaufen, wird bald Realität. Mehr noch. Die Hartliebs erfüllen die Buchhandlung nicht nur mit neuem Leben, sondern richten sich auch in der mit einer gusseisernen Wendeltreppe verbundenen Wohnung in der ersten Etage häuslich ein. Seitdem betreiben sie das Geschäft unter dem Namen Hartliebs Bücher. Und sie eröffnen bald ein Zweites, das auf französische und italienische Literatur spezialisiert ist.

2011 startete Petra Hartlieb gemeinsam mit dem Berliner Journalisten und Autor Claus-Ulrich Bielefeld eine Wien-Berlin-Krimireihe, die bei Diogenes erschien und mittlerweile vier Bücher umfasst. 2014 publizierte sie ihren ersten Roman mit dem Titel „Meine wundervolle Buchhandlung“, der mittlerweile in acht Sprachen übersetzt und mit einer Auflage von 60.000 Exemplaren zum Bestseller wurde.

© Ö1 Kunstsonntag, Tonspuren, 24.5.2020

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