Er hat Genesis gegründet, die Weltmusik entdeckt und den Song elektrifiziert. Peter Gabriel profitierte stets von seinen naiven Interessen und seinem faustischen Geist. Jetzt wird der Elder Statesman der britischen Pop-Szene siebzig.

Von Ueli Bernays

„Sammy The Slug“ war sein erster Song. Jeder andere habe zuerst über Mädchen gesungen, meinte Peter Gabriel einmal selbstironisch, er hingegen habe über die Schnecke Sammy geträllert. Der Singer-Songwriter war bei seinem Debüt allerdings erst zwölf Jahre alt. Er fühlte sich unwohl in seiner Haut. Sein pickliges Spiegelbild stimmte nicht mit den Vorstellungen überein, die sich der Junge von einem richtigen Rocker machte, von einem John Lennon, einem Mick Jagger.

Die Musik aber, sie öffnete ihm ein Fenster in eine Traumwelt. Und schon der Schneckensong spricht für Peter Gabriels Phantasie, die sich nie zügeln lassen sollte durch Standards und Stereotype. Mit Naivität und Visionen spaziert der britische Pop-Star bis heute über Grenzen und Widersprüche hinweg, er ignoriert die Warntafeln des guten Geschmacks, überhört die Pfiffe der Puristen.

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© NZZ, Kultur, 13.2.2020

„Die Welt ist immer zu klein“ Von Genesis über „Sledgehammer“ zur wirklichen Welt: Der britische Musiker Peter Gabriel feiert am Donnerstag seinen 70. Geburtstag.

Von Gerrit Bartels

Wenn ein Popstar wie der Brite Peter Gabriel, ein weltbekannter Musiker, ein Weltmusiker, seinen 70. Geburtstag feiert, stellt sich weniger die Frage, was er denn in den vergangenen Jahren so Herausragendes produziert hat. Sondern viel mehr, welche Schaffensphase in seiner über fünfzig Jahre dauernden Karriere wirklich herausragt, mit welchen Songs oder Alben Gabriel in die Popgeschichte eingegangen ist.

War das „So“, das Album das 1986 erschien und Peter Gabriel endgültig zu einer weltumspannenden Pop-Berühmtheit machte? Auf dem Album finden sich Stücke wie das notorisch-nervige „Sledgehammer“, das mit Kate Bush gesungen-gehauchte „Don’t Give Up“ oder das schön schmachtende „Red Rain“, sie alle große Hits, die „So“ zu Gabriels auch kommerziell erfolgreichsten Werk werden ließen.

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© Der Tagesspiegel, Kultur, 13.2.2020

PETER GABRIEL WIRD 70 „Der Theaterrocker“

VON PHILIPP KROHN

Die Intellektualisierung der Rockmusik begann Ende der sechziger Jahre. Nachdem die Pioniere Kinks, Beatles oder The Who die Grundlagen gelegt hatten, eroberten die fünf bis acht Jahre jüngeren Musiker der progressiven Ära die Bühnen. Sie brachten bildungsbürgerliche Schätze von Schostakowitsch und Ravel bis zu literarischen Einflüssen wie mythologischen Stoffen, englischen Märchen und Gedichten von T. S.Eliot mit – und das Erlebnis des Souls der sechziger Jahre. Seine Mitmusiker von Genesis traf Peter Gabriel schon im Teenageralter auf der privaten Charterhouse-Schule, eine Stunde südwestlich von London. Nachdem der Sound der aus zwei Schülerbands fusionierten Band gereift war, wurde Gabriel Anfang der siebziger Jahre Stimme und Gesicht der Art-Rock-Szene.

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