Wer war Paul Celan? Einen „Gehetzten“ nannte ihn sein Freund Jean Bollack, als „Zerrissenen“ beschreibt ihn sein Biograph Helmut Böttiger in seinem neuesten Buch. Jedenfalls war er einer der ganz großen Poeten deutscher Sprache. 

Er, der sich verzweifelt fragte, ob angesichts des Massenmords der Deutschen an den europäischen Juden „der leise, der deutsche, der schmerzliche Reim“ überhaupt noch zu dulden sei, schenkte dieser Sprache mit Gedichten wie „Nähe der Gräber“, „Winter“, „Todesfuge“ und vielen anderen unverrückbare, sperrige Gedenksteine, die niemanden unerschüttert lassen können.

Am Vorabend seines 50. Todestags und im Jahr seines 100. Geburtstags denken wir nach über die Größe dieses Dichters und über sein Leben mit den Deutschen und dem Deutschen nach dem Krieg. Aus der Bahn warf ihn eine Kampagne der Schriftstellerin Claire Goll, die Celan – fälschlicherweise – vorwarf, Arbeiten ihres verstorbenen Mannes, des Dichters Yvan Goll, plagiiert zu haben. Die „Goll-Affäre“ sollte Celan bis zu seinem Selbstmord im April 1970 begleiten und verbittern, er sah in ihr „einen Vernichtungsfeldzug“. Auf Grundlage von Briefen und zeitgenössischen Texten rekonstruieren wir diese einzigartig dokumentierte Affäre.

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© NDR Kultur, 19.4.2020

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