Der Medienkünstler Thomas Köner begibt sich auf der Suche nach dem anderen Klang in entlegene Polarregionen oder unbewohnte Vorstädte, in die Randzonen unserer Gesellschaft und an die Schwellen der menschlichen Wahrnehmung.

Mit Angela Bischoffstrate

In „Station Eismitte“ untersucht Thomas Köner die akustischen Dimensionen eines vergangenen Lebensraums: der Überwinterungsstation „Eismitte“ – ein ins Inlandeis gegrabenes Gebäude, das der Polarforscher Alfred Wegener auf seiner Grönland-Expedition im Juli 1930 anlegte; als Schutz bei Außentemperaturen von bis zu -65°C.

„Der Fährmann“ macht die dunkle Seite der Gracht hörbar bzw. die verborgene Klangwelt Amsterdams, das einen Meter unter Meeresniveau liegt: Auf Pfählen, die man in den morastigen Boden trieb, baute man die Stadt und schaffte eine dauerhaft instabile Begegnung von trübem Kanalwasser und scheinbarem Festland, in deren nasskaltem Dunst die Kaufleute seit Jahrhunderten ihre Geschäfte besiegeln. Albert Camus’ Romanfigur Clamence vergleicht in „La chute“ die ringförmigen Kanäle Amsterdams mit den neun Höllenkreisen aus Dantes „Divina Comedia“. Thomas Köner, der in jungen Jahren eine Zeit lang in Amsterdam lebte, kehrt mit dem Mikrofon zurück und wird zum Fährmann auf eben diesen Kreisen, die Amsterdam heute als pittoreske Grachtenidylle erscheinen lassen.

Station Eismitte
Von Thomas Köner
Produktion: WDR 2006

Der Fährmann
Von Thomas Köner
Produktion: WDR 2012

© WDR 3, Open Sounds, 2.6.2018

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