Mit seiner Neuproduktion „Oiseaux d’artifice – une nature morte“ malt der Kölner Komponist Harald Muenz ein akustisches Stillleben aus Vogelstimmen und Instrumentaltönen – so scheint es. Mit Angela Bischoffstrate

Denn wie die traditionsreiche Leinwand-Vorlage ist auch Muenz‘ Radiostück eine nahezu perfekte Illusion: Die meisten der zu hörenden Vogel-Sounds sind keine Naturaufnahmen lebendigen Federviehs, sondern wurden mit etwa 90 unterschiedlichen mechanischen Instrumenten künstlich erzeugt. Die „Musikinstrumente“, die unter anderem Auszüge aus Athanasius Kirchners Schrift Musurgia Universalis wiedergeben, wurden ebenso wenig live gespielt wie die zitierten „Vogelstellen“ aus großen Musikwerken der Vergangenheit.

Eine Auswahl von Vogel-Volksliedern wurde zunächst nach tonsetzerischen Standards sorgfältig eingerichtet und anschließend mit phonetischer Spezialsoftware manipuliert, obwohl es sich um eine reine Soundscape handelt, in der gar keine Sprachklänge auftauchen. Und dank einer gedehnten Gartenrotschwanz-Aufnahme tritt auch auch die mechanische Nachtigall auf, die Maurice Ravel – der virtuose Connaisseur raffiniertester Künstlichkeit – einst in seiner Villa in Montfort L’Amaury aufstellte. So erschafft Harald Muenz eine nahezu perfekte akustische Illusion, ein trompe-oreilles, das nur vereinzelt durch technische Eingriffe oder Lautstärkewechsel gestört wird. Zufällige Momentaufnahmen? Natürlich nicht.

Der in Utrecht lebende Komponist Michael Fahres verknüpfte 2002 beim Duisburger „Traumzeit-Festival am Hochofen“ Delphinklänge aus dem Duisburger Delphinarium mit den Rhythmen senegalesischer Perkussionisten. Das Basismaterial der Komposition „Cetacea“ setzt sich aus den taktfesten Klicks der Delphine zusammen, die durch eine elegante, computergestützte Bearbeitung eine Transformation in weite, pulsierende Klanggewebe erfahren. Neben den Sounds der Meeresbewohner hat Michael Fahres das sechsköpfige Schlagzeugensemble des verstorbenen senegalesischen Meistertrommlers Doudou N´Diaye Rose als rhythmischen Knotenpunkt in seine Komposition integriert. Abseits esoterischer Klischees entfaltet dieser vielschichtige Klangozean hypnotische Wirkungen.

http://xb187.xb1.serverdomain.org/radio/musik/Open-Sounds-Inter-artes-et-Naturam.mp3

Cetacea
Von Michael Fahres mit Doudou N´Diaye Rose, Drums
Produktion WDR 2006

© WDR 3, Open Sounds, 16.1.2021

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