Wie die Kultur aus dem «Corona-Modus» kommt: Während es in der Schweiz erst am 6. Juni wieder losgehen soll, sind in Deutschland schon erste Projekte gestartet, etwa an der Bayerischen Staatsoper. Wie aber fühlt sich ein Konzertbesuch mit Abstand und Maske an?

Von Marco Frei

Das Ambiente erinnert an «Modern Times». In Charlie Chaplins Film aus dem Jahr 1936 geraten Menschen in das Räderwerk der Technik. Sie werden zu blossen Anhängseln von unermüdlich laufenden, surrenden Maschinen, Apparaturen und Fliessbändern, mutieren selbst zu Rädchen im Räderwerk. Auch der Unterbühnenbereich des Nationaltheaters in München präsentiert sich wie solch eine gewaltige Apparatur. Allerdings läuft und surrt hier vorerst nichts.

Seit Wochen hat das winzige Coronavirus auch die grosse Bayerische Staatsoper im Griff. Noch bis Anfang April hatte das Haus dem Virus zu trotzen versucht, mit teilweise grenzwertigen Mitteln. Nun aber marschiert das Nationaltheater erneut mit an vorderster Stelle, wenn schon nicht gegen das Virus, so doch gegen den Kulturstillstand. Als eines der ersten Häuser in Deutschland bietet man nämlich wieder Live-Konzerte mit Publikum an.

Ganz analog

Dazu wurde jetzt in den besagten Unterbühnenbereich des Nationaltheaters geladen, für den Auftakt der «Streifzüge am Mittwoch». Dahinter verbirgt sich ein neues Format, bei dem Mitglieder des Bayerischen Staatsorchesters bis zum 24. Juni kleiner besetzte Werke und Kammermusik an verschiedenen Orten im Haus präsentieren.

Für das Publikum ergeben sich dabei mehrere Vorzüge: Einerseits kann es das Bayerische Staatsorchester in privater Kleinformation im fast schon exklusiven Rahmen erleben; gleichzeitig werden Orte im Nationaltheater bespielt, die sonst nicht öffentlich zugänglich sind – wie jetzt die Unterbühne, die bei regulären Aufführungen ein Hochsicherheitsbereich ist…

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© NZZ, Feuilleton, 29.5.2020

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