Synthesizer? Ah, nö! Glasorgel? Vielleicht! Der Erfolgspianist Nils Frahm über digital erzeugten Schweiß, Waschmaschinenvideos und seinen Old-School-Konzertfilm.

Nach zweijähriger Welttournee in Deutschland festgenagelt, nutzt der Pianist Nils Frahm die Ungunst der Corona-Stunde mit einem im Funkhaus Berlin gedrehten Konzertfilm, der alle Daheimbleibenden an das erinnert, was ihnen verlorengegangen ist. Parallel zu „Tripping With Nils Frahm“ erscheint ein gleichnamiges Livealbum, das den globalen Erschütterungen sanfte Schwingungen entgegensetzt. Wir trafen den 38-Jährigen in seinem Studio an der Spree in Oberschöneweide ­– einem Ort des Schaffens wie der Kontemplation.

ZEIT ONLINE: Ihr Film kommt ja genau im richtigen Moment. Wenn Sie erst den Film gemacht hätten und jetzt die Tour, wäre das eine schlechtere Reihenfolge gewesen, oder?

Nils Frahm: Auf jeden Fall. So herum ist es besser.

ZEIT ONLINE: Und die Aufnahmen sind hier im Saal neben Ihrem Studio entstanden?

Frahm: Im Saal eins des Funkhauses, an vier Abenden einer Woche im Dezember 2018. An die 1.400 Leute hätten wir mit dem Brandschutz und allem hineinbekommen; jeweils 1.100 haben wir eingelassen. Wir brauchten halt ein bisschen Platz für die Kameras und wollten es nicht zu eng machen. Es war ganz interessant, dann den Film zu schneiden. Wir haben aus den vier Tagen die besten Stellen herausgesucht.

ZEIT ONLINE:  Nur einmal ist eine Art Überblendung zu sehen. Sonst wirkt alles wie aus einem Guss. Sie haben auch an allen vier Abenden dieselben Sachen an.

Frahm: Ich hab eh immer dieselben Sachen an, das war jetzt nicht schwer, das mache ich die ganze Tour, auch aus praktischen Gründen. Und die Überblendung in der Mitte ist eine Zeitlupe, die wir benutzt haben, um einfach mal kurz zu zeigen, okay, das ist jetzt ein Film und nicht eine reine Dokumentation.

ZEIT ONLINE: Der Film hat ja eine unglaublich starke Atmosphäre durch seine Strenge, alles schwarz, weiß und ocker …

Frahm: Ja, Sandtöne.

Der Konzertfilm „Tripping with Nils Frahm“ von Benoît Toulemonde läuft vom 3. Dezember an 30 Tage lang auf der Streamingplattform Mubi. Das dazugehörige, musikalisch nicht deckungsgleiche Livealbum erscheint in verschiedenen Formaten beim Label Erased Tapes.

© Zeit Online, Kultur, 29.11.2020

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