„Nights on the Turntable“ Der Baritonsaxofonist Gerry Mulligan

Der schlaksige Typ mit dem großen Baritonsaxofon, der auf seine Fans manchmal kompliziert und launisch wirkte, war eine treibende Kraft im Cool Jazz. Ein musikalischer Innovator, der sensibel auf die Zeitströmungen reagierte und auch eine kleine Jazzband immer als Orchester empfand.

Mit Karl Lippegaus

Gerry Mulligan war noch ein Teenager, als er mit der Gene Krupa Band tourte und für sie 1947 den HitDisc Jockey Jump“ schrieb. Es folgten die „Birth of the Cool„-Sessions mit Miles Davis und das berühmte „pianolose“ Quartett mit dem Trompeter Chet Baker, das Thomas Pynchon in einer Kurzgeschichte feierte. Der relaxt swingende Baritonsaxofonist duettierte mit Ben Webster, Stan Getz, Paul Desmond und Zoot Sims. Mit seiner Concert Jazz Band erfüllte er sich einen großen Traum. Der gebürtige New Yorker, der in Philadelphia aufgewachsen war, leitete Anfang der sechziger Jahre diese euphorisierende Big Band. Mulligan war stolz darauf, dass er dieses Großprojekt selbst finanzierte und vergab großzügig Aufträge an exzellente Arrangeure. Glänzend gelang es ihm, die Feinheiten seiner Quartette – mit Chet Baker, Art Farmer oder Bob Brookmeyer – aufs große Format zu übertragen – als eine Art concerto grosso in Jazz. Ein schillernder und hart swingender Background aus Bläserstimmen begleitete die Solisten. Mulligans Zusammenarbeit mit Dave Brubeck wurde danach ebenso gerühmt wie seine grandiose Begegnung mit dem Tango-Innovator Astor Piazzolla.

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© WDR 3, Jazz & World, 6.4.2017

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