Der Eindruck, man würde etwas wahrnehmen oder spüren, das die gängigen Erfahrungshorizonte radikal übersteigt, ist oftmals mit durch und durch weltlichen Extremerfahrungen verbunden. Man bildet sich ein, der Geist nimmt Kontakt zu einem unbestimmten Drüben auf – und das nennt man dann Transzendenz.

Von Benjamin Moldenhauer

Eine der Möglichkeiten des für Mystik tauben Agnostikers, im Modus ästhetischer Erfahrung so etwas wie eine Transzendenzerfahrung herzustellen, ist brachial laute, auf körperliche Intensität zielende Musik.

Welche der historisch etablierten Intensitätsmusiken – Free Jazz oder Industrial etwa, es gibt aber noch einiges mehr – zum nur diffus definierbaren Ziel führt, ist Typ-Sache. Mithilfe der aktuellen Alben der Bands Liturgy und Sunn O))), beide im letzten Quartal des vergangenen Jahres erschienen, lässt sich ausprobieren, wie weit einen extremistischer Metal in dieser Hinsicht transportieren kann. Trotz aller habitualisierten Skepsis gegenüber Eso-Kitsch. Jedwede Skepsis nämlich, unter anderem das verbindet beide Bands, will diese Musik gerade hörbar eliminieren.

Liturgys Album »H.A.Q.Q.« und »Pyroclasts« von Sunn O))) haben auch sonst einiges gemeinsam. Beide Alben sind überraschend erschienen. »H.A.Q.Q.« ohne jeden Werbevorlauf, während »Pyroclasts« vier Jam-Sessions versammelt, die während der Aufnahmen zum im Frühjahr 2019 erschienenen »Life Metal« entstanden sind. …

Weiter lesen .. !

© Neues Deutschland, Kultur, 4.1.2020

Danke, das Du meinen Beitrag kommentieren möchtest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.