Japan-Fantasien mitteleuropäischer Komponisten – von Karlheinz Stockhausen, Peter Eötvös (Foto), Gerhard Stäbler, Peter Gahn und Hans Zender, die ihr Fern-Ost-Weh musikalisch ganz verschieden ausleben.

Mit Michael Rebhahn 

Karlheinz Stockhausen widmet dem Land der aufgehenden Sonne einen seiner „17 Texte intuitiver Musik für kommende Zeiten“. Peter Eötvös gestaltet in „Harakiri“ ein gewaltsames Ritual, „untermalt“ von unerbittlichen Axt-Schlägen. Peter Gahn hat sich während eines mehrjährigen Japan-Aufenthaltes mit der dortigen Kultur intensiv auseinander gesetzt. Vor allem fasziniert ihn das heterophone Prinzip der kaiserlichen Hofmusik Gagaku, in der alle Instrumente dieselbe Melodie gleichzeitig, aber jeweils voneinander differierend, vortragen. Gerhard Stäbler misst dem „silbern-entrückten Klang“ der Mundorgel Shô, dem rituellen Instrument der japanischen Gagaku-Musik, in seiner „Kassandra“-Oper eine zentrale Rolle bei. Hans Zender schließlich hat –  tief beeindruckt durch die alte fernöstliche Kultur – eine Reihe „japanischer Stücke“ geschrieben, in denen er ohne Exotismen ostasiatisches und europäisches Denken verbindet.

Karlheinz Stockhausen
Ausschnitt aus „Japan“, aus „Für kommende Zeiten“, Version für
Elektrochord, Schlagzeug und Elektronium; Peter Eötvös, Elektrochord;
Christoph Caskel, Schlagzeug; Harald Bojé, Elektronium

Peter Eötvös
Ausschnitt aus „Harakiri“, Szene mit Musik für Stimmen, 2 Shakuhachis
und Holzhacker; Tokk Ensemble

Gerhard Stäbler
Ausschnitt aus „Palast des Schweigens“, Kassandra-Studie für Shô; Mayumi
Miyata

Hans Zender
Auswahl aus „Lo-Shu VI“, Haikai für Flöte und Cello; Ensemble e-mex

Peter Gahn
reading unicorn skulls – the town (engraved dreams) für Koto, 4
Hyoshigi, Klarinette, Violine und Schlagzeug; ensemble reflexion K,
Leitung: Gerald Eckert

© WDR 3, Neue Musik, 14.10.2018

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