Im 20. Jahrhundert drang das menschliche Wissen in ungekannte Dimensionen vor. Von der Relativitätstheorie bis zur Unschärferelation – das tradierte Bild von der Welt löste sich auf, wurde überwölbt von Phänomenen, die die menschliche Vorstellungskraft sprengen.

Auch in der Musik gerieten scheinbar ewig gültige Kategorien ins Wanken: die harmonische Tonalität verlor ihre Verbindlichkeit, der klangliche Horizont erweiterte sich durch elektronische Sounds.
Auch die gleichschwebende Stimmung, die sich in der klassischen Musik durchgesetzt hatte, empfanden viele junge Komponisten – insbesondere in den USA – als Fessel, die es zu sprengen galt: durch mikrotonale Experimente oder Klangauslotungen in reiner Stimmung. Drei davon stellt BR-KLASSIK in Horizonte vor: Michael Harrison etwa entwickelte das „harmonic piano“, ein Instrument, auf dem die Oktave in vierundzwanzig Töne unterteilt ist. Oder James Tenney, der in seinen Werken sowohl mit elektroakustischen Klängen als auch mit Mikrotonalität arbeitete.
Eine der spektakulärsten Ideen der Neuen Musik verwirklichte Ben Johnston in seinen Streichquartetten. Er verband die Zwölftontechnik der europäischen Avantgarde mit seinem eigenen, auf der reinen Stimmung basierenden Tonsystem, für das er eigens eine neue Notation entwickelt hat.

Michael Harrison: “From Ancient Worlds”, Rose of Remembrance (Michael Harrison, Klavier)

James Tenney: „Critical Band“ (zeitkratzer)

Ben Johnston: Streichquartett Nr. 7 (Kepler String Quartet)

 

© BR Klassik, Horizonte, 18.6.2020

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