Musikstile aus Kuba: „Die Metadaten der Revolution“ Von Detlef Diederichsen

Für Che Guevara bedeutete Kuba Sozialismus mit Musikbegleitung. Die Musikstile der Insel sind Thema auf einem informativen Sammelalbum.

Wie soll sich eine künftige Generation nur einen Reim auf ein älteres Stück Musik machen, wenn es nicht mehr auf das Bündel an Metadaten zurückgreifen kann, das eine Weile die Verpackungen, also die jeweiligen Albumcover (oder auch CD-Booklets) lieferten?

Wie soll man einen klanglichen Irrsinn verstehen oder womöglich auch nur einordnen, richtig zuordnen – ohne die Fakten, die Anmerkungen (von Liner Notes bis zur Dankesliste), die Stilmittel der Gestaltung, womöglich Bilder von Beteiligten, bis hin zur Art der Herstellung, also all die Zeichen, die die begleitenden Drucksachen kommunizieren? Schwer vorstellbar.

Nur folgerichtig ist daher das Ansatz des Londoner Labels Soul Jazz, das seit Jahren nicht nur geliebte ältere Musik auf Tonträgern mit umfangreichen Drucksachen veröffentlicht, sondern auch Bildbände, die ganz ohne Musik auskommen und sich quasi voll auf die Metadaten konzentrieren. Aktuell hat man sich mit diesem Ansatz der kubanischen Musik seit der Revolution 1959 bis zum Ende der dortigen Vinylproduktion zu Beginn der 1990er Jahre gewidmet und mit „Cuba: Music and Revolution – Original album cover art of Cuban music“ jetzt einen prächtigen Coffee-Table-Bildband produziert.

Gilles Peterson und Stuart Baker: „Cuba – Music and Revolution: Original album cover art of Cuban music“, Soul Jazz Books, London 2020, 256 ­Seiten, circa 40 Euro

Diverse Künst­le­r*in­nen: „Cuba – Music and Revolution: Culture Clash in Havana – Experiments in Latin Music 1975-85, Vol. 1“ (Soul Jazz/Indigo)

© TAZ, Kultur; Musik, 21.2.2021

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