Das Streaming verändert unsere Hörgewohnheiten: Was soll man sich bloss anhören?

von Ueli Bernays

«Was ist gute Musik?» «Welche Musik mögen Sie?» «Welche Musik hören Sie?» Solche Fragen werden, was Wunder, unterschiedlich beantwortet. Die Vielfalt von Kulturen und Milieus, die Unterschiede der Ohren und Geschmäcker bringen es mit sich, dass die einen das Volkstümliche dem Klassischen vorziehen, während andere eher dem Jazz oder der Pop-Musik zugetan sind. Die Pop-Musik allerdings möchte es eigentlich allen recht machen. Sie bedient verschiedene Ethnien, Generationen und Geschlechter mit einem diversifizierten Angebot an Genres und Stars.

Aufseiten der Pop-Rezipienten erweist sich die Wahl zwischen Rock und Disco, Dance und Hip-Hop, zwischen Beatles und Rolling Stones, Lady Gaga und Adele dann nicht selten als Glaubenssache. Auf dem Spiel scheint die eigene Identität, das persönliche Glück zu stehen. Die gehörte Musik repräsentiert ein Stück weit eben auch das hörende Subjekt. Und seit fanatische Jungscharen vor Jahrzehnten schon Kassen und Konzertbühnen stürmten und Teenager kreischend in Ohnmacht fielen angesichts ihrer Idole, hat man sich daran gewöhnt, Pop als hitzigen Star- und Fan-Kult zu begreifen.

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© NZZ, Feuilleton, 8.3.2017

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