Heute Abend 21.05 Uhr WDR 4  „Swing Easy!“

Von Karl Lippegaus

Die Serie “Deadwood” ist mit allem ausgestattet, was man aus den klassischen Westernfilmen her kennt: harte Kerle, Revolverhelden, käufliche Ladies, Pferde, Whisky, Poker und Holzhütten. Und doch ist diesmal alles ganz anders.

Fast so als habe William Shakespeare vom amerikanischen Kabelfernsehen den Auftrag bekommen, eine Serie zu schreiben. Der Vergleich ist nicht weit hergeholt: David Milch, der Erfinder von „Deadwood“, ist ein großer Shakespeare-Fan und bewundert insbesondere seinen „Falstaff“.

„Deadwood“, so heißen Serie und Ort der Handlung, spielt um 1870 in den Bergen Dakotas, es ist Indianergebiet, das Goldgräber-Fieber ist ausgebrochen. Diese Stadt Deadwood hat es wirklich gegeben. Bis in diese wilde Gegend sind die Hüter der Gesetze noch nicht vorgedrungen – in der rasch wachsenden Siedlung in den Wäldern lebt noch jedermann nach ganz eigenen Regeln. Mit großer Überzeugungskraft regiert Al Swearengen – umwerfend verkörpert von dem großen britischen Schauspieler Ian McShane – in seinem Saloon, der The Gem heißt. Mit seinen beiden „Assistenten“ und einem verbündeten chinesischen Schlachtermeister namens Wu sorgt Mr. Swearengen in Deadwood für die Unterhaltung der schwer schuftenden Goldsucher. Und auch für die gänzlich unkonventionellen Lösungen fast aller zwischenmenschlicher Probleme.

Es wird viel geflucht und gefeiert in Deadwood. Als der Bella Union Saloon eröffnet, edler und kostspieliger, aber nicht minder korrupt als The Gem, bricht für Al Swearengen eine neue Ära an. Noch brenzliger wird es, als ein Großunternehmer namens George Hearst anrückt und der gesamten Stadt im Niemandsland seine Herrschaft aufdrängen will. Bemerkenswert an „Deadwood“ sind aber nicht nur das Szenario, das von Erfolgsautor David Milch stammt, und die großen schauspielerischen Leistungen, sondern auch die Tonspur ist absolut bemerkenswert.

Zwar gibt es wie in anderen Serien und Filmen auch Hauskomponisten, hier den kanadischen Gitarristen Michael Brook und seinen Kollegen Gustavo Santaolalla, der für große Filme wie „21 Grams“ oder „Brokeback Mountain“ arbeitete und viele Preise bekam. Vor allem aber verblüfft an „Deadwood“ die handverlesene Auswahl großartiger Blues-, Folk- und Jazz-Aufnahmen. Einige von ihnen hat Karl Lippegaus aus den drei Staffeln der Serie für diese Ausgabe von Swing easy! zusammengestellt.