Notre-Dame de Paris wurde durch ihn zur Pilgerstätte der Neuen Musik. Vom Sog seiner Musik und geradezu „kosmischen Erfahrungen“ seiner Improvisationen kommen viele ins Schwärmen. Das Porträt zum 80. Geburtstag Jean-Pierre Leguays, eines außergewöhnlichen Musikers und Menschen.

Das Wort „religiös“ nimmt der langjährige Titularorganist der Pariser Kathedrale allerdings nie in den Mund. Mit seiner Musik – längst nicht nur für die Orgel – will er ganz anderes erreichen: Er will Abenteurer sein, in aller Freiheit, einer liberté, aus der auch der Künstler gefälligst das Beste machen soll. Was Leguay da an Freiräumen fordert, aber auch riskiert, ist mehr als „Gymnastik nach bewährten Modellen“, wie sie viele heute noch als Improvisation lehren. Und was einen bei seinen Kompositionen so alles erwartet, verraten schon deren farbige Titel wie Aurore, Flamme, Granit, Souffle: es sind vitale Klänge, deren Wucht, deren Stille, deren Farben unmittelbar begeistern können, und nicht erst erklärt werden müssen. Die „Königin der Instrumente“ war für den Abenteurer Leguay über 50 Jahre das Experimentierfeld für Klänge und Farben, wie sie vielleicht nur das innere Gehör eines Blinden erspüren kann. Joachim Fontaine zeichnet das Leben eines Menschen, der als Jugendlicher eher zufällig zur Musik fand und keinen einfachen Weg hatte: von den Studienjahren bei berühmten Lehrern am legendären Institut des Aveugles bis zum titulaire von Notre-Dame.

© WDR 3, Musikporträt. 25.12.2019

Danke, das Du meinen Beitrag kommentieren möchtest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.