Der größte Teil unseres Geldes wird nicht von der Zentralbank geschaffen, sondern von den Banken. Und zwar einfach so, aus dem Nichts. Die Tatsache ist weitgehend unbekannt. Aber sie gefährdet zunehmend die Stabilität unseres Finanzsystems. Kritiker fordern eine neue Geldordnung.

Banken verleihen Geld, das sie sich vorher selbst geliehen haben. Von Sparern oder von der Zentralbank. Soweit das Lehrbuchwissen und soweit so falsch. Denn Banken können Kreditnehmern Geld einfach so gutschreiben, ohne vorher Geld von Dritten einzusammeln. Anders als viele glauben, hat die Zentralbank deshalb kaum Möglichkeiten, die Geldmenge wirklich zu steuern.

Das ist ein Problem, meint unter anderem Thomas Mayer, ehemaliger Chef-Volkswirt der Deutschen Bank. Diese Geldschöpfung durch die Banken destabilisiere immer wieder unser Finanzsystem. Selbst renommierte Volkswirtschaftsprofessoren wie Peter Bofinger haben das Problem lange nicht gesehen. Bofinger hat inzwischen sein Lehrbuch entsprechend korrigiert.

Mayer plädiert wie viele andere Kritiker für eine neue Geldordnung, zum Beispiel für ein Vollgeld-System, in dem es frisches Geld nur noch von der Zentralbank gibt. In der Schweiz haben die Bürger ein solches System allerdings im Juni 2018 abgelehnt, nachdem Banken, Vertreter der Wirtschaft und selbst die Zentralbank massiv davor gewarnt hatten.

Money from nothing
Wie unser Geld wirklich entsteht
Von Vivien Leue

Regie: Matthias Kapohl
Es sprachen: Torben Kessler und die Autorin
Ton und Technik: Gunther Rose und Angelika Brochhaus
Redaktion: Wolfgang Schiller
Produktion: Deutschlandfunk 2018

© Deutschlandfunk, Das Feature, 8.9.2020

Vivien Leue arbeitet seit 2009 als freie Redakteurin und Autorin für das Deutschlandradio. Sie hat in Mainz, Madrid und Berlin Geschichte und Jura studiert und später an der Fernuni Hagen zusätzlich Wirtschaftswissenschaften. Ihr journalistischer Fokus liegt auf Gesellschafts- und Wirtschaftsthemen.

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