Aus der Not eine Tugend, aus großbesetzten Stücken Kammermusik machen: Rebecca Saunders zeigt, wie es geht. Der britischen Komponistin ist ein Schwerpunkt des Berliner Musikfestes gewidmet. Ein Schlagzeugabend mit Christian Dierstein und Dirk Rothbrust.

Eigentlich. Dieses Wort steht wie ein mahnendes Zeichen über der jetzt beginnenden Saison in Deutschlands Konzert- und Opernhäusern. Eigentlich hätte dieses gespielt werden sollen, stattdessen erklingt jenes. Eigentlich ist das Musikfest Berlin eines der international wichtigsten Orchesterfestivals, das unter der Flagge der Berliner Festspiele und der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin alljährlich zum Saisonauftakt die Berliner Orchester mit den großen internationalen Klangkörpern zusammenbringt.

Kontinuität trotz Corona

Und so hätte – eigentlich – an diesem Abend das Orchester der Lucerne Festival Academy anreisen sollen, was schon deswegen nicht möglich war, weil auch die Aktivitäten in Luzern in diesem Sommer auf ein Minimum reduziert worden waren. Immerhin, das Konzert findet statt, Christian Dierstein und Dirk Rothbrust sind wie geplant die Solisten, und auch in der Corona-Version ist dieser Abend der britischen Komponistin Rebecca Saunders, Jahrgang 1967, gewidmet. Sie erhielt im vergangenen Jahr eine der renommiertesten Auszeichnungen der Musikwelt, den Ernst-von Siemens Musikpreis.

Aus ihren groß besetzten Schlagzeugwerken – „Dust“ existiert in einer Version für sechs Schlagzeuger, „Void“ ist für Schlagzeugduo und Orchester gedacht – hat Saunders nun zwei reine Schlagzeugduo-Kompositionen gemacht.

Die Vielzahl an Perkussionsinstrumenten und Spieltechniken ist eine solche Welt für sich, dass der Verlust zu verkraften ist, zumal wenn die Bühne von zwei so großartigen Virtuosen wie Dierstein und Rothbrust bespielt wird, die seit Jahren eng mit der Komponistin zusammenarbeiten.

Magie und Mikroorganismus

Während das rund 20-minütige „Void“ als Bild der Leere eine räumlich weite Musik beschwört, scheint das gut 40-minütige „Dust“ – „Staub“ – eher ins Mikroorganische hineinzuhorchen, und so beginnt das Werk mit feinstem Reiben und Knirschen, um in weit ausschwingenden Resonanzen von Kristallklangschalen zu münden, die den ganzen Saal erfassen. Gedanklicher Hintergrund beider Werke sind die magisch-hermetischen Textwelten von Samuel Beckett, die allerdings nicht zitiert, sondern gleichsam nur gedacht werden.

Deutschlandfunk Kultur ist Partner des Musikfestes Berlin und dokumentiert auch in diesem Jahr, in dem – eigentlich – alles ganz anders hätte sein sollen, das Festival mit einer Reihe von Konzertübertragungen in lockerer Folge.

Musikfest Berlin
Philharmonie Berlin, Aufzeichnung vom 07.09.2020

Rebecca Saunders
„Void II“ für Schlagzeugduo (Erstaufführung der neuen Fassung)

„Dust II“ für Schlagzeugduo (Erstaufführung der neuen Fassung)

Christian Dierstein, Schlagzeug
Dirk Rothbrust, Schlagzeug

© Text + Links: Deutschlandfunk Kultur, Konzert, 8.9.2020

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