In einer Epoche, in der Frauen im Jazz sonst nur als Sängerinnen auftraten, zeigte die Pianistin und Komponistin Mary Lou Williams ihren männlichen Kollegen, wo‘s langging. Stilistisch war sie ihrer Zeit lange weit voraus. Am 8. Mai 2020 jährt sich ihr Geburtstag zum 110. Mal.

Von Michael Kuhlmann

Mary Lou Williams ist die bis heute wichtigste und einflussreichste Musikerin der Jazzgeschichte. In der Swing-Ära konnte sie sich als einzige Frau zwischen den Größen Basie, Goodman und Ellington etablieren. Mit Mitte 20 sorgte die Musikerin aus Atlanta in der damaligen Jazzmetropole Kansas City für Furore. Sie lieferte die Arrangements für Andy Kirk‘s Clouds of Joy, die dort dem frühen Count-Basie-Orchester Konkurrenz machten. Ende der dreißiger Jahre waren auch die anspruchsvollen Jazzmusiker der US-Ostküste von ihr beeindruckt. Für das Benny Goodman Orchester schrieb sie eine von dessen heißesten Nummern. Bald darauf inspirierte sie Bebop-Avantgardisten wie Thelonious Monk und Bud Powell. Bis zu ihrem Tode 1981 wusste sie sich künstlerisch weiterzuentwickeln. Ihr Kompositionsrepertoire reichte von Blues und Boogie-Hits über anspruchsvolle Suiten bis zu Messen und Kantaten.

© Deutschlandfunk, Milestones, 15.5.2020

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