„Das Schlimmste auf der Welt ist Konsequenz“. Geschlossene Systeme waren dem Multitalent Bruno Maderna, der vor 100 Jahren, am 21. April 1920 in Venedig, geboren wurde, mehr als nur suspekt: „Ich hasse es, konsequent zu sein, weil es tödlich ist.“

Mit Michael Struck-Schloen

Diese Lehre hatte der venezianische Komponist, Dirigent und Pionier der elektroakustischen Musik aus der Vergangenheit gezogen. Die Avantgarde überraschte und belebte das ehemalige Wunderkind mit unberechenbarem Humor und einer Fülle heute fast vergessener Werke.

Zu seinen Hauptwerken gehört neben einer Reihe von Konzerten (darunter allein drei für Oboe), die seine Liebe zur melodischen Linie bezeugen, das Musiktheaterprojekt Hyperion nach Friedrich Hölderlins Briefroman, das Maderna ab 1964 intensiv beschäftigte. Die Form war offen, wurde fortwährend verändert, basierend auf früheren Stücken, die zu einer Art „mobilem Fresko“ (Nicola Verzina) arrangiert wurden. Maderna sah seinen Hyperion als «Lyrik in theatraler Form», ein «work in progress», ohne lineare Handlung und mit austauschbarem musikalischen Material, das er selbst immer wieder ergänzte und veränderte.

Protagonist des Werkes ist ein wortloser Dichter, der sich nur durch seine Flöte auszudrücken vermag. In der offenen Form und Arbeitsweise spiegelt sich Madernas Auffassung der Rolle des Künstlers in einer Gesellschaft, in der ästhetische Werte mit Füßen getreten werden.

Bruno Maderna Hyperion, Musiktheater nach Friedrich Hölderlin (1964-69)
Bruno Ganz – Sprechstimme
Penelope Walmsley – Sopran
Jaques Zoon – Flöte
Peter Brunt – Violine
Peter Eggenhuizen – Klarinette
Les Jeunes Solistes – Chor
Asko Ensemble
Peter Eötvös – Dirigent

© WDR 3,  Studio Neue Musik, 19.4.2020

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