Der Komponist Dieter Schnebel sprach einmal so knapp und treffend von der „Einheit von Geist und Fleisch, die in der Stimme tönt.“ Die Stimme – sie ist eben nicht nur Atmung, sondern auch und in erster Linie Körper, ein komplexer und komplex repräsentierter Körper.

Mit Harry Lachner

Sie transportiert aber nicht nur ein Bild des Körpers sondern auch eine ganze Psychologie. Was aber, wenn wir es mit einer körperlosen Stimme zu tun haben? Also jenen Stimmen der Toten, die sich über medial veranlagte Personen äußern oder durch den Äther geistern? Mithin treffen wir hier auf akustische Phänomene, die ihren angeblichen Ursprung im Jenseits haben und die im Fall der sogenannten „Tonbandstimmen“ („Electronic Voice Phenomena“) sich mit einer Radioantenne einfangen lassen. So hat beispielsweise der lettische Parapsychologe Konstantin Raudive in den 60er-Jahren zahlreiche Aufnahmen archiviert, die Jahrzehnte später Eingang in die Popmusik fanden: als Zitatfragment in der Musik von Scanner, DJ Spooky, David Toop und anderen. Nun stellen beide, die reale und die okkulte Stimme, die Frage nach ihrer medialen Funktion – ob gesprochen oder gesungen, aus dem Leben ertönend oder vorgeblich aus dem Reich der Toten.

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© SWR 2, Musikpassagen, 11.9.2017

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