„Macht und Ohnmacht“ – ein Rollenspiel von Urs Widmer

In seinem Rollenspiel über Machtstrukturen lässt der Schweizer Schriftsteller Urs Widmer sieben Personen auftreten, die wie der „Mächtige aller Mächtigen“ die Macht verkörpern oder wie der „Folterer“ oder der „Sklave“ nur Ausführungsorgane sind. Jeder der „Machtbeteiligten“, hat eine andere Sicht des Machtmonopols, dabei ist jeder von ihnen zugleich Geisel und Gefangener dieses mächtigen Urinstinkts.

„Die Welt des Schweizer Schriftstellers Urs Widmer war voller absurder Komik und bizarrer Weltuntergänge.“

(Michael Krüger, Schriftsteller, Publizist, Übersetzer)

„Die Macht zermürbt den, der sie nicht hat“, pflegte der mehrfache italienische Ministerpräsident Giulio Andreotti auf der Höhe seines politischen Einflusses zu sagen. Der Zweck heilige die Mittel, soll sein berühmter Vorgänger Machiavelli proklamiert haben, der in seiner zum Leitfaden für spätere Machtanwärter weltweit beachteten Schrift „Il Principe“ die wichtigsten Regeln zur Machtergreifung und zum Machterhalt aufstellte. Wer glaubt, Machiavelli sage, Politik könne man nur mit Dolch, Lüge und Verbrechen machen, hat ihn gründlich missverstanden. Wo es ohne diese Dinge geht, darf man diese Mittel gar nicht anwenden, nicht aus moralischen Gründen, sondern weil es unpolitisch wäre, es zu tun. Wo aber, gewissermaßen von der Technik des Machtkampfes her, in einer bestimmten Lage Gift und Dolch, Lüge und Verbrechen nicht entbehrt werden können, um den Gegner zu besiegen, dann ist einer als Staatsmann richtig am Platze, wenn er es über sich bringt, „sich dieser Mittel zu bedienen“, so interpretierte der Staatsrechtler Carlo Schmidt Machiavellis Ausführungen. Und wie steht es heute politisch und moralphilosophisch um die Macht und die Strategien, sie – gerecht – auszuführen? In seinem Rollenspiel über Macht und Ohnmacht lässt der Schweizer Schriftsteller Urs Widmer sieben Personen auftreten, die wie der „Mächtige aller Mächtigen“ die Macht verkörpern oder wie der „Sklave“ oder der „Folterer“ nur Ausführungsorgane der Macht sind. In einem postfuturistischen Szenario hat jeder der „Machtbeteiligten“, eine andere Sicht des Machtmonopols, dabei ist jeder von ihnen Geisel und Gefangener eines der mächtigsten Urinstinkte – der Macht.

 

© Bayern 2, radio Texte, 14.5.2018

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