So sehr wie Pierre Boulez und John Cage haben keine anderen Komponisten die musikalische Nachkriegsmoderne geprägt und beeinflusst. Beide Künstler einte der Wunsch nach einer tiefgreifenden Erneuerung des Komponierens.

Selbst Schönbergs Zwölftontechnik empfanden sie einer musikalischen Tradition angehörig, die es zu überwinden galt. 1949 begegneten sich beide Musiker erstmals in Paris. Daraus entwickelte sich eine Freundschaft, die von gegenseitigem Respekt und Neugierde geprägt war. Der von 1949 bis 1962 währende Briefwechsel spiegelt das eindrucksvoll wider. In ihm tauschten sich beide über neue Kompositionsverfahren und musikphilosophische Gedanken aus. Auch wenn sie die gleichen Ziele hatten, entwickelten sie im Lauf der Zeit geradezu diametral entgegengesetzte Methoden, um diese zu erreichen. Cage entwickelte seine Zufallsoperationen, Boulez ging es um maximale Kontrolle über die Form. Letztlich führten diese Gegensätze zum Bruch der Freundschaft.
Der Briefwechsel zwischen Pierre Boulez und John Cage ist in Buchform bei der Europäischen Verlagsanstalt erschienen.

© BR  Klassik,  Horizonte, 4.2.2020

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