Kompromisslose Leidenschaft – Peter Brötzmann wird 80 von Bert Noglik

Keine Enzyklopädie des Jazz kommt mehr ohne ihn aus. Peter Brötzmann hat das, wovon andere nur reden: das Alleinstellungsmerkmal. Von Anfang an suchte er einen anderen Zugang zur Musik. Und er fand ihn, indem er unbeirrt einen eigenen Weg ging.

Brötzmann wurde zum radikalen Erneuerer und blieb dabei stets ein Bewunderer der afroamerikanischen Vorgänger, ohne der Versuchung zu erliegen, andere zu kopieren.

Vehemenz bis zur totalen Verausgabung

Der Saxofonist und Klarinettist, der in Wuppertal Kunst studierte und auch als bildender Künstler arbeitet, schuf bereits mit seiner 1968 aufgenommenen Platte „Machine Gun“ ein Manifest, dessen Konsequenz und Kompromisslosigkeit internationale Aufmerksamkeit hervorrief. Auch wenn in seiner Musik bis zum heutigen Tag Aufbegehren mitschwingt, so widerlegt er mit seinem Spiel doch die oft zum Klischee verfestigte Vorstellung eines musikalischen Bilderstürmers. Vehemenz bis zur totalen Verausgabung ist ihm ebenso eigen wie ein innerhalb der von ihm selbst definierten Parameter hochdifferenziertem Ausdrucksspektrum. Mit seinem Schaffen hat er Wegmarken im europäischen Jazz gesetzt und transatlantische Brücken geschlagen. In jüngster Zeit fand er zu spannenden Dialogen mit der Pedal-Steel-Gitarristen Heather Leigh, und er überraschte mit „I Surrender Dear“, einem tief emotionalen Balladenalbum. Am 6. März wird Peter Brötzmann achtzig Jahre alt.

© NDR Kultur, Jazz – Round Midnight, 5.3.2021

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