Kölner Kongress 2018 – Erzählen in den Medien „Was du erzählst und wie du es erzählst“

Wie gut ein Text ist, hängt für viele Leser vor allem davon ab, wie packend und stringent er seine Geschichte erzählt. Dabei gibt es noch viele andere Arten des Erzählens, die nicht weniger interessant sind.

Essay von Frank Witzel

Ein Extrembeispiel: die Texte von Gertrude Stein. Sie hat sich viel mit Sprache beschäftigt und der Leser hat bei ihr oft den Eindruck, dass sich die Sätze in erster Linie um sich selbst drehen. Doch auch ihre unkonventionelle, sprach- statt inhaltsbasierte Herangehensweise funktioniert und schafft einen neuen Erzähl- und damit Erfahrungsraum.

Dass Spannung nicht nur durch handlungsgeleitete Erzählformen erzeugt werden kann, zeigt auch das Spiel mancher Texte mit dem Erzählgegenstand: Denn ein Text kann den Blickwinkel auch über die eigene Erzählung hinaus erweitern und Dinge erzählen, die weder mit der eigentlichen Handlung etwas zu tun haben noch im Text ganz entschlüsselt werden. Dadurch schafft ein Text seinen ganz eigenen Kontext. Ähnlich verfährt auch Gertrude Stein, von deren Vorlesung über Narration aus dem Jahr 1935 sich Frank Witzel inspirieren lässt. Bei ihr verschwimmt die Grenze zwischen Sachtext und Erzählung, ihre Texte verweigern sich jeder Gattungsbezeichnung.

 

 

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© Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 11.3.2018

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