Die Welt im Wort entdecken – Helmut Heißenbüttel – der Autor als Rezensent.

Von Klaus Ramm

Der Büchnerpreisträger Helmut Heißenbüttel war eine der prägenden Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegsliteratur, auch zur Erneuerung des Hörspiels hat er mit seinem akustischen Werk und seinen programmatischen Essays entscheidende Impulse gegeben. Zwanzig Jahre nach seinem Tod porträtiert ihn Klaus Ramm aus einer ganz andere Perspektive: Heißenbüttel war zugleich ein leidenschaftlicher Leser und unorthodoxer Literaturkritiker, der in dem eher bieder-konventionell orientierten literarischen Klima der fünfziger und sechziger Jahre den Blick öffnete auf Ungewohntes, Unabgesichertes und unbekannt Gebliebenes: auf die europäische und amerikanische Moderne ebenso wie auf die durch die Nazizeit verschütteten Traditionen und die avancierten Neuansätze der deutschen Literatur. Seine Rezensionen sind – wie seine Hörspiele – überzeugende Plädoyers für eine andere, offenere, risikoreichere Wahrnehmung der Welt durch Sprache und durch Literatur.

Bernt Hahn liest ausgewählte Kritiken zu Uwe Johnson, Alexander Kluge, Franz Mon, Charles Olson, Andy Warhol und anderen aus dem Band Zur Lockerung der Perspektive.

 

 

Helmut Heißenbüttel (1921–96), Autor, Kritiker Essayist. Studium der Architektur, Germanistik und Kunstgeschichte in Dresden, Leipzig und Hamburg. 1959–81 Leitung der Redaktion „Radio-Essay“ des SDR in Stuttgart. Ab 1981 freier Schriftsteller. Mitglied der Gruppe 47, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt, der Freien Akademie der Künste in Hamburg, der Akademie der Künste in Berlin. Auszeichnungen u.a. Georg-Büchner-Preis 1969, Hörspielpreis der Kriegsblinden 1971, Bundesverdienstkreuz 1979. Hörspiele u.a. Was sollen wir überhaupt senden (WDR 1970), Zwei oder drei Porträts(BR/NDR/SR 1970, Hörspielpreis der Kriegsblinden 1971, BR 2016), Projekt Nr. 2 (WDR 1970), Max unmittelbar vor dem Einschlafen (WDR 1971), Warzen und alles (WDR 1973), Mein Name ist Ludwig Wittgenstein oder Die Chimäre (WDR 1975), Nachrichtensperre (1975), Vom Chef, der seinen teuersten Hund abschießt (WDR 1977), Wenn Adolf Hitler den Krieg nicht gewonnen hätte (BR 1997).

Klaus Ramm, geb. 1939 in Hamburg/Altona. Literaturwissenschaftler und Verleger. Zahlreiche BR-Hörspielessays u.a. Bildgestöber vor wechselndem Ohr. Zu den Hörspielen von Friederike Mayröcker (1994), „Das beginnt irgendwo hat kein ziel verläuft sich zieht kreise will nirgendwo ankommen & endet an einem beliebigen punkt“ Hartmut Geerkens Wege in die Radiokunst und sein Verschwinden darin (1999), Das Sprechen ist dem Gesprochenen fremd. Kleine Erinnerung an ein Stiefkind der Hörspielgeschichte. Zu Schuldts „Deutschland aufsagen, Deutschland nachsagen.“ (2011).

© Bayern2, hör!spiel!art.mix, 2.12.2016

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