Spätestens seit Mitte der 60er Jahre waren einige Erschütterungen in der Tektonik der französischen Musikszene zu verzeichnen. Die Geschichte dieses Aufbruchs zwischen Straßenschlachten und SciFi-Phantasien hat Serge Loupien, langjähriger Musikkolumnist bei Libération, in seiner brillanten welthaltigen Studie, „La France Underground“ 1965/1979 Le temps des utopies“ dokumentiert.

1967 ist Barney Wilen mit einer Nagra dabei, um den Grand Prix de Monaco aufzunehmen. Nach dem tödlichen Unfall Lorenzo Bandinis beschließt der Saxofonist, die Klänge des Autorennens zu benutzen und verwandelt sie in eine Tonspur. Es ist das erste Mal, das ein Jazzmusiker sich Pierre Schaeffers musique concrète annähert.

Für ein paar Jahre, nach einer kulturellen Explosion, kamen Künstler aus den unterschiedlichsten Lagern des Musikbetriebs, Improvisation, Avantgarde Rock, Noise und neuem Chanson zusammen. Um ein Gebräu zu kreieren, das es so noch nicht gegeben hatte. Die Geschichte dieses Aufbruchs zwischen Straßenschlachten und SciFi-Phantasien hat Serge Loupien, langjähriger Musikkolumnist bei Libération, in seiner brillanten welthaltigen Studie, „La France Underground“ – 1965/1979 – Le temps des utopies“ dokumentiert.

Einige der Pioniere von damals sind noch immer aktiv, z.B. der Gitarrist Richard Pinhas, der mit dem Philosophen Gilles Deleuze produzierte, der Drummer und Gründer Gruppe Magma, Christian Vander, der Trompeter Jac  Berrocal und der Musikerfinder Pascal Comelade.

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© WDR 3, Open Sounds, 4.7.2020

 

2 Comments

  1. Ja, das war eine sehr schöne Sendung!
    Auch wenn sie aus eingekürzten Teilen der Langen Nacht des Deutschlandradios vom 15.09.2018 bestand, trotzdem schön, Karl wieder mal beim WDR zu hören.
    Habe an den WDR geschrieben, mal sehen, ob und was geantwortet wird:

    Sehr geehrte Damen und Herren!
    Vielen herzlichen Dank für diese wunderbare Sendung!
    Sehr schöne Musikauswahl verbunden mit wunderbaren Hintergrundinformationen, die wirklich Lust machen, das betreffende Buch zu lesen.
    Was mich aber besonders freut, ist Karl Lippegaus wieder mal beim WDR zu hören.
    Seine Sendungen sind ausnahmslos immer hörenswert, zeugen von großer Fachkompetenz und Liebe zur Musik.
    Ich finde es persönlich ja immer noch sehr schade, dass es keine regelmäßigen Sendungen mehr von diesem Redakteur beim WDR gibt. ( Beim Deutschlandfunk ist man da schlauer….)
    Toll dass man sich bei Open Sounds da mehr traut! Der Hörer mag nämlich durchaus auch anspruchsvolleres als das Formatradio, dass man bei „Jazz & World“ mittlerweile bietet.
    Das zeigt sich ja auch bei dem Zuspruch, die die sonstigen Open Sounds Sendungen mit neuer experimenteller Musik haben.
    Könnte man Herrn Lippegaus nicht wieder öfter einen Sendeplatz geben?
    Mit freundlichen Grüßen,
    ……….

    Pling-Plong

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