„Kampfzone D“ Brief an die Bundesrepublik aus Anlass ihres 70. Geburtstags Von Christian Schüle

Frühjahr 2019: Statt 70 Jahre Frieden, Wohlstand und Sicherheit zu feiern, befindet sich die Bundesrepublik im Ausnahmezustand. Die Ankunft geflüchteter Migranten hat Gesellschaft und Politik in kollektive Erregung und Aufregung geführt.

Von Christian Schüle

Auf einmal stehen gültige Übereinkünfte infrage, gehen Gewissheiten verloren, wird mit dem Freundfeind-Schema operiert. Statt Vernunft und Reflexion regieren Gefühle und Stimmungen, neuartige Erlösungsversprechen und neurotische Ängste. Instinktpolitiker und Ideologen bedienen Hysterie und Hypermoral, die Mobilmachung der Emotionen führt zu einer Dauererregung, allerorten florieren Hass, Häme und Empörung. Ist das noch jenes Deutschland, das wir einmal kannten? Stehen wir still oder kurz vor dem Abgrund? Malen wir schwarz? Werden wir braun?

In seinem Brief an die Bundesrepublik gratuliert Christian Schüle auf ganz eigene Weise. Sein Essay spürt den typisch deutschen Mustern zwischen links und rechts nach, die den neuen Erregungsspiralen zugrunde liegen und versucht dabei, sich selbst zu erklären, wie und warum es so weit kommen konnte. Seine Felderkundung zwischen Pathos und Patriotismus stellt der gestörten Republik ein versetzungs-gefährdendes Zeugnis aus.

 

© Bayern2, Nachtstudio, 2.4.2019

Danke, das Du meinen Beitrag kommentieren möchtest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.