John Coltrane: „Blue World“ im Spiegel der Presse

John Coltranes „Blue World“, die bislang unveröffentlichten Soundtrack-Aufnahmen zu Gilles Groulx‘ weitgehend in Vergessenheit geratenen Film „Le chat dans le sac“ von 1964, ist es definitiv wert, als eigenständiges Album betrachtet zu werden, auch wenn die Aufnahmen an Coltranes großen Klassiker nicht ganz heranreichen, meint Andrian Kreye in der SZ.

Er betrachtet die Musik vor allem auch im Kontext des Films, dem Coltranes Musik ziemlich gut zu Leibe steht: „Dem Weltschmerz der beiden Protagonisten verhilft sie zu einer Tiefe, die kein noch so guter Schauspieler aus einem so überintellektualisierten Drehbuch herausholen könnte. … Später im Film gewinnen banale Momente in der Stadt durch Coltrane an Bedeutung und Symbolkraft, was er schließlich in der Schlussszene an einem gefrorenen Teich mit einem Adagio von Vivaldi noch auf die Spitze treibt.“ Auf The Quietus schreibt Peter Margasak: „Auch wenn die Kritiker bei solchen Entdeckungen regelmäßig überschäumen, handelt es sich bei ‚Blue World‘ weder um einen Heiligen Gral, noch um ein bislang vermisstes Verbindungsstück. Doch die Performances sind toll und wir hören bereits den entdeckungslustigen Impuls des Quartetts, das tiefer ins Material vordringt als noch einige Jahre zuvor. … Es gibt eindeutige Anzeichen der Höhen, die Coltrane fünf Monate später mit ‚A Love Supreme‘ erreichen wird.“ © Text: Perlentaucher / Efeu, 27.9.2019

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