Interview Der Musiker Jóhann Jóhannsson beschreibt seine Arbeit als Komponist an Denis Villeneuves großem Film „Arrival“

der Freitag: Herr Jóhannsson, „Arrival“ ist die dritte Zusammenarbeit mit Denis Villeneuve.

Hilft es, Stil und Vorlieben eines Regisseurs zu kennen?

Jóhann Jóhannsson: Die Zusammenarbeit zwischen Denis und mir verbessert sich definitiv von Film zu Film. Wir haben aus unseren Fehlern gelernt. Das Besondere an unserer Arbeitsweise ist, dass ich in einem frühen Stadium involviert bin. Denis versteht die Bedeutung von Sound für einen Film, für einen Komponisten sind das ideale Voraussetzungen. Bei Arrival gab er mir Carte blanche.

Wo beginnt die Arbeit eines Komponisten, wenn man vom Regisseur freie Hand bekommt?

„Zur Vorbereitung auf unseren letzten gemeinsamen Film Sicario verbrachte ich einige Tage bei den Dreharbeiten in Mexiko, um ein Gefühl für den Ort, das Licht und die Landschaft zu entwickeln. Mit dem Komponieren begann ich erst, nachdem ich die erste Schnittfassung des Films gesehen hatte. Bei Arrival war das anders. Ich kannte vorab nur die Kurzgeschichte, auf der der Film basiert, und das Skript; zusätzlich bekam ich einige Entwürfe, von den Raumschiffen und den Logogrammen, der Zeichensprache der Aliens. Mehr Inspiration hatte ich nicht, da ich etwa zeitgleich zu den Dreharbeiten am Score schrieb.“

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Link zur Filmkritik

© der Freitag, Andreas Busche, 7.12.2016,

Film der Stunde

Mit Superlativen soll man sparsam umgehen, hier sind sie angebracht: Arrival (USA, 116 Minuten)ist einer der herausragenden Filme des Jahres, der Film der Stunde. Ein zarter Globalversöhnungskitsch für eine zerrissene Welt, ein eigenartiger Liebesfilm, der den ganz großen Umweg macht über außerirdische Besucher, die an zwölf Orten der Erde zugleich auftauchen, um der Menschheit aufzugeben, dass Einigkeit besser ist als Krieg. Herausgelesen werden muss diese Botschaft von der Übersetzerin Louis Banks (Amy Adams), aus dumpfen Geräuschen und abstrakten Bildern, mittels derer die Heptapods, die siebenfüßigen Außerirdischen, sich mitteilen. „Sprache ist das Fundament der Zivilisation“, heißt es einmal; Regisseur Denis Villeneuve verwendet seine prozessurale Präzision geduldig auf die Herstellung von Kontakt. Arrival betreibt Sprachphilosophie, diskutiert linguistische Probleme und guckt fasziniert auf Tintenkleckse. Die Musik von Jóhann Jóhannsson spielt eine so besondere Rolle, dass wir den Komponisten dazu befragt haben. Matthias Dell

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