Mit einem autobiographischen Buch über seinen Vater, der ein gewalttätiger Alkoholiker war, wurde der Schriftsteller John Burnside bekannt. Auch im Interview zeigt Burnside die frühen Verwundungen und flieht, begleitet vom Radioautor, aus der Stadt seiner Kindheit.

Von Tobias Wenzel

Eigentlich war John Burnside neugierig darauf, nach Jahrzehnten zum ersten Mal wieder nach Cowdenbeath zu fahren, um die vom Bergbau geprägte Stadt seiner Kindheit gemeinsam mit dem Radioautor zu erkunden. Aber als die beiden dort ankommen, nimmt das Interview eine unvorhergesehene Wendung: Der schottische Schriftsteller will nicht aus dem Auto aussteigen, weil ihm der Ausflug nicht mehr geheuer ist. Obwohl auch noch die Bremsen versagen, fährt er mit hoher Geschwindigkeit wieder davon. Möglichst schnell weg von dem Ort, mit dem vor allem die Erinnerung an seinen gewalttätigen Vater verbunden ist. Den hat John Burnside sehr eindrücklich in seinem Buch „Lügen über meinen Vater“ porträtiert.

Im Garten seines Hauses auf dem schottischen Land erscheint Burnside dem Radioautor wie ausgewechselt. Der Schriftsteller ruht in sich. Er erweist sich im Umgang wie in seinen Texten als hellwacher Zeitgenosse, als Sinnenmensch, der feinste Antennen für seine Umwelt ausgebildet hat. Nachts, erzählt Burnside, wandert er im Haus umher, lauscht den Stimmen der Toten. Tagsüber steht er manchmal am äußersten Rand seines Gartens, an der Grenze zwischen zivilisierter Welt und ungebändigter Natur, und hält Ausschau nach wilden Tieren. Eine Szenerie, die man aus seinen Gedichten kennt. Über allen seinen Texten, auch über jenen Romanen, in denen es grausam zugeht, schwebt eine sanfte Sehnsucht nach Glück, ein Warten „auf jenes Himmelsflackern in unseren Knochen, / das beinahe Fliegen ist.“

© Redaktion: Imke Wallefeld / Produktion: WDR 2018

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