Jazzfest Berlin 2018 – Letzter Konzertabend // Kim Myhr / Mary Halvorson Octet / Bill Frisell

Der komplette Konzertabend ist im übrigen noch online auf kulturradio nach zu hören !

Kim Myhr: You | me

KIM MYHR electric and acoustic guitars
DAVID STACKENÄS electric and acoustic guitars
HÅVARD VOLDEN electric and acoustic guitars
ADRIAN MYHR guitars, bass
INGAR ZACH percussion
HANS HULBÆKMO drums, percussion
TONY BUCK drums, percussion

Der Gitarrist Kim Myhr bringt gleich drei weitere Gitarristen und drei Perkussionisten auf die Bühne. „You | me“ ist die bisher ambitionierteste Solo-Veröffentlichung dieses norwegischen Klangkünstlers, eine Arbeit mit einem durchgängigen Puls, in der sich alles aus einer einzigen musikalischen Idee ableitet. Myhr geht es um die Gestaltung eines sich langsam aufbauenden, vielschichtigen Klangkosmos, der so mit Details gesättigt ist, dass man darin zu schwimmen glaubt, gleichzeitig aber die Einfachheit der Form wahrt, sodass alles als kontinuierlicher Prozess erlebbar wird. Myhr entdeckte bei der Studioarbeit, „dass man üppiges und idyllisches Klangmaterial allmählich zu etwas Schwierigerem und Unzugänglicherem mutieren lassen kann, dass Gegensätzliches immer gegenseitig ineinander enthalten ist, dass es in dem einen immer eine Spur des anderen gibt.” Zu dieser Dialektik der Gegensätze gehört auch, dass ein vorab konzipiertes großformatiges Werk wie dieses im Konzert von erfahrenen Vollblutimprovisatoren ausgeführt wird, wie Tony Buck (The Necks), Ingar Zach (Dans Les Arbres), Hans Hulbækmo (Atomic) und David Stackenäs (Per Zanussi Ensemble). Das Spiel mit Gegensätzen, das sich dabei vollzieht, ist nicht nur ein Statement in Sachen Musik, es lädt zum Floaten und Mäandern ein.

 

Mary Halvorson Octet: Away with you

MARY HALVORSON guitar
SUSAN ALCORN pedal steel guitar
DAVE BALLOU trumpet
JON IRABAGON alto saxophone
INGRID LAUBROCK tenor saxophone
JACOB GARCHIK trombone
JOHN HÉBERT bass
TOMAS FUJIWARA drums

Der Auftritt ihres Oktetts bildet den mit hoher Spannung erwarteten Kulminationspunkt der Jazzfest-Residenz der New Yorker Gitarristin Mary Halvorson, in ihrer Eigenheit derzeit eine der bemerkenswertesten und produktivsten Gitarrenstimmen der mittleren Generation. Zwei einwöchige Residenzen etwa im legendären New Yorker Jazz-Club Village Vanguard sprechen für sich sowie die Veröffentlichung von sage und schreibe 27 Alben in den letzten drei Jahren.
Halvorson ist eine Musikerin, die in unaufhörlicher Stetigkeit expandiert und vertieft. 2015 nahm sie nicht nur ihr erstes Soloalbum „Meltframe“ auf. Am anderen Ende des Spektrums begann ihre Zusammenarbeit mit der zu Halvorsons eigener Gitarrenstimme kontrastierenden Pedal-Steel-Gitarristin Susan Alcorn, mit der sie dann ihr dafür reifes Septett bestehend aus hochkarätigen Musiker*innen aus dem New Yorker Jazzfeld zum Oktett erweiterte. Beim letztjährigen New Yorker Winterjazz zählte der Auftritt ihres Oktetts zu den unstrittigen Entdeckungen und Höhepunkten. Halvorson besticht durch einen einmaligen Gitarrenklang, in ihrer Musik bildet das Freie und Festgefügte, das Gerade und Ungerade eine einmalig rhythmisch-dynamische Einheit, die ebenso verschleißbeständig wie unnachahmlich ist. Neue Verteilungen und Gewichtungen kristallisieren sich immer wieder im Zusammenspiel der Halvorsonisten klar und lebendig aus. In Berlin nun erstmalig in Europa zu erleben, werden diese acht Stimmen eckig und rund im prismatischen Verbund kulminierend zum Tragen kommen: Away with you!

 

Bill Frisell: Music is

BILL FRISELL guitar solo & Mary Halvorson

Es ist fast unmöglich, der Musik des amerikanischen Gitarristen Bill Frisell (*1951) nicht irgendwo zwischen Bonnie Raitt und John Zorn begegnet zu sein. Nach vier Jahrzehnten reicher Diversität musikalischer Äußerungen und Verbindungen bleibt sein pures klangliches Zeichnen eine Qualität und ein Vergnügen der besonderen Art. Gibt es etwas, was Bill Frisell, dieser Gentle Giant in Music, mit seiner nicht versiegenden Schaffenskraft noch nicht getan hat? Nach dem letztjährigen ergreifenden Duo-Album mit dem Bassisten Thomas Morgan stand die Tür zu einem Solo-Album offen, und Frisell schuf in der Obhut von Tucker Martines Studio eine Vielfalt und Farbigkeit an Melodiezügen, seltsam konzentrierte Aufrisse einer Schönheit jenseits des Bekannten. In Berlin beginnt Bill Frisell eine Tour mit Solokonzerten, in denen er sein Publikum direkt teilhaben lässt an der intimen, im Licht des Moments sich vollziehenden Klangzeichnung: ein resümierender und zugleich offener Ausklang des Jazzfest Berlin 2018.

Link zu den Dateien Alles in Flac !

© kulturradio, Jazzfest Berlin 2018, 4.11.2018

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