Das Art Ensemble of Chicago steht für „Great Black Music – Ancient to the Future“, wie Lincoln T. Beauchamp, aka Chicago Beau, es auf den Punkt bringt. Im Feld kreativer, unablässig sich entwickelnder Musik der letzten fünf Jahrzehnte ist es ein Unikum und leuchtendes Vorbild mit reicher Geschichte (dokumentiert auf 30 Alben). 

Dies gilt für seine klanglich-bildliche Ei(ge)nheit und Wirkungskraft genauso wie für das besondere produktive Gemeinschaftsklima, das es die ganze Zeit lang getragen hat. Von der Urbesetzung – noch in vollem Ornat 1991 auf dem Jazzfest Berlin zu erleben – sind Trompeter Lester Bowie und Bassist Malachi Favors Maghostut verstorben, während der ‚Schamane‘ Joseph Jarman inzwischen als buddhistischer Priester und Aikido-Meister waltet. Die Verbliebenen – der außergewöhnliche musikalische Geist und unermüdliche Macher und Multiinstrumentalist Roscoe Mitchell und Schlagzeuger Famoudou Don Moye – bilden einen Kern, um den sich nun eng liierte Musikerinnen scharen. Das AEC hat sich, geleitet von der eigenen Lust des Explorierens, immer frei durch ein offenes Kontinuum von Genres bewegt. In einer klanglichen Gesamtlandschaft mit verschlungenen Pfaden und breiteren Wegen hat es im Spiel unermüdlich sowohl den eigenen Horizont als auch den seiner Zuhörerinnen erweitert. In Berlin geht die Reise zu neunt weiter.

Art Ensemble of Chicago

Roscoe Mitchell saxophones, flute
Nicole Mitchell flute
Hugh Ragin trumpets
Famoudou Don Moye drums, congas, percussion
Dudù Kouate african percussion
Jean Cook violin
Eddie Kwon viola
Tomeka Reid cello
Silvia Bolognesi bass
Jaribu Shahid double bass
Christina Wheeler voice, array mbira, auto harp, q-chord, theremin, sampler, electronics
Moor Mother vocals

 

 

ABACAXI

Julien Desprez verschanzt sich nicht hinter dem mächtigen Sound seines Instruments, der elektrischen Gitarre. Für ihn ist die Gitarre zu einem Controller geworden, mit dem er als Spieler mit Licht und Klang in wechselnden Kontrasten und Konfrontationen den physischen und mentalen Raum durchschreitet und ins Gleiten und Zittern bringt. Versteinerte Performanz-Tableaus brechen auf, werden ausgehebelt, geraten ins Taumeln. Nach dem Duett mit Rob Mazurek ist der französische Gitarrist mit dem elektrischen Bassgitarristen François Riffaud und dem Berliner Schlagzeuger Max Andrzejewski zu erleben.
Die Formation Abacaxi liefert eine aus dem Rockidiom geschälte intensiv abrupte elektrische Klangskulptur, Felsbrocken, scharfkantig und von schriller Helligkeit, bright noise eingebettet in eine Choreografie von Lichtpulsen: ein wildes Neuerleben unverrückbar geglaubter, eingefleischter Rock-Riffs: somewhere in between late 60’s rock und sound art – eine Weltpremiere noch dazu.

 

 

ABACAXI (Frankreich/Deutschland)

Julien Desprez, guitar
Max Andrzejewski, drums
Jean-François Riffaud, bass

© Foto: Julien Desprez by Sylvain_Gripoix

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