Sowohl in Berlin als auch in London gibt es sehr lebendige Jazzszenen. Ein musikalischer Austausch untereinander findet bislang allerdings nur in Ansätzen statt. Beim Jazzfest Berlin 2017 wurden an drei Abenden im Rahmen der „Berlin-London-Conversations“ Musiker beider Szenen in einen künstlerischen Dialog gesetzt, darunter Kit Downes, Jean-Paul Bourelly und Silke Eberhard.

Mit Manuela Krause

 

Silke Eberhard, Sarah Tandy, Daniel Casimir, Kay Lübke

SILKE EBERHARD saxophones
SARAH TANDY piano
DANIEL CASIMIR double bass
KAY LÜBKE drums


2002 gewann die damals 20-jährige Sarah Tandy für ihre Interpretation von Sergej Prokofjews Klavierkonzert Nr. 1 den begehrten Titel BBC Young Classical Pianist of the Year. Seitdem hat sie die Ausrichtung ihrer Musik grundlegend geändert und ist zu einer der bemerkenswertesten Pianistinnen der Londoner Jazzszene geworden. Bassist Daniel Casimir studierte an den Konservatorien Birmingham und Trinity Laban und nahm Unterricht bei Dave Holland. Er spielt regelmäßig mit Sarah Tandy zusammen, sowohl in ihrem Trio als auch im Quartett der Saxofonistin Camilla George. Auch Saxofonistin Silke Eberhard und Schlagzeuger Kay Lübke sind feste Größen in der Gunst des Berliner Publikums. Die beiden Hälften dieses Quartetts treffen für dieses Konzert zum ersten Mal aufeinander; so entsteht eine Mischung aus Vertrautheit und Fremdheit, die in der Geschichte des Jazz eine bedeutende Rolle spielt. Das ist der Klang von Musiker*innen, die sich auf der Bühne gegenseitig entdecken und sich in einem entspannten Dialog auf der Grundlage einer reichhaltigen gemeinsamen Sprache unterstützen und inspirieren.

 

Kit Downes, Philipp Gropper, Lucy Railton, Oliver Steidle

KIT DOWNES piano
PHILIPP GROPPER tenor saxophone
LUCY RAILTON cello
OLIVER STEIDLE drums


Der zweite Teil dieses musikalischen Austauschs präsentiert vier Musiker*innen, die sich aus unterschiedlichen Konstellationen bereits gut kennen. Kit Downes und Lucy Railton aus Großbritannien spielen regelmäßig als Duo unter dem Namen Tricko zusammen. Die beiden Deutschen Philipp Gropper und Oliver Steidle sind zusammen in Groppers Quartett Philm zu erleben. Downes und Steidle sind ihrerseits Mitglieder des Thrash-Jazz-Ensembles Killing Popes. Philipp Gropper wurde in Berlin geboren, studierte an der hiesigen Universität der Künste und ist Mitglied des Jazzkollektiv Berlin. Steidle studierte in Nürnberg, spielte dort Bigband-Jazz und war Mitglied verschiedener Garage Rock-Bands. Railton, die in London und Berlin lebt, ist eine Cellistin mit Schwerpunkt auf Neuer Musik, Improvisation sowie elektronischer Musik. Sie arbeitet regelmäßig mit Künstlern, Choreografen und Filmemachern zusammen und kuratiert neue und experimentelle Musikprogramme in Großbritannien (London Contemporary Music Festival, Kammer Klang). Downes, Absolvent der Royal Academy of Music, wird am letzten Nachmittag des Festivals einen weiteren Auftritt haben, bei dem er auf der Orgel der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche spielt.

 

Jean-Paul Bourelly, Frank Gratkowski, Orphy Robinson, Pat Thomas

JEAN-PAUL BOURELLY guitar
FRANK GRATKOWSKI bass clarinet, alto saxophone
ORPHY ROBINSON vibraphone
PAT THOMAS piano


Vibraphonist Orphy Robinson und Pianist Pat Thomas, beide 1960 geboren und in Großbritannien beheimatet, spielen unter dem Namen Black Top zusammen. Zu ihren Live-Auftritten und Studioaufnahmen laden sie häufig Gastmusiker*innen ein – vom frei improvisierenden Saxofonisten Evan Parker bis zum Sonic-Youth-Gitarristen Thurston Moore. Für den ersten Teil der Berlin-London Conversations bitten sie zwei in Berlin ansässige Musiker zum gemeinsamen Konzert. Der Saxophonist Frank Gratkowski, 1963 geboren, studierte bei Charlie Mariano, Sal Nistico und Steve Lacy, bevor er mit zahllosen Ensembles in aller Welt zusammenarbeitete. Der Gitarrist Jean-Paul Bourelly wurde 1960 als Sohn haitianischer Eltern auf der South Side Chicagos geboren und lebt seit den 1990er-Jahren in Europa. Er war Mitglied der Black Rock Coalition und wirkte bei Aufnahmen von Muhal Richard Abrams, Elvin Jones, McCoy Tyner, Cassandra Wilson und Miles Davis mit.

© Deutschlandfunk Kultur, Tonart Jazz 23.1.2018

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