„In memoriam Hans Zender“

Hans Zender hat die Traditionen neu gelesen. Ein Porträt des Dirigenten und Komponisten. Mit seiner instrumentalen Aus- und Übermalung von Schuberts „Winterreise“ ist Hans Zender genau das gelungen, was seinem Charakter am meisten widerstrebt: ein Zugstück für Konzerte „Neuer Musik“.

Von Chris Tina Tengel (Wiederholung vom 21. November 2011)

Der deutsche Dirigent und Komponist Hans Zender ist in der in der Nacht zum Mittwoch, 23. Oktober 2019 kurz vor seinem 83. Geburtstag verstorben. „Hans Zender war nicht nur einer der bedeutendsten Komponisten seiner Generation, er war zugleich einer der herausragenden Dirigenten und Orchesterleiter und der wohl fruchtbarste und tiefste Musikdenker und -schriftsteller seiner Zeit“, so Klangforum-Intendant Sven Hartberger zum Ableben des Musikers.

Der am 22. November 1936 in Wiesbaden geborene Zender, anfangs Fortner-Schüler und „Zwölftöner“, hat wie Bruno Maderna, Pierre Boulez oder Michael Gielen den Dirigenten-/Komponisten-Weg eingeschlagen und in Saarbrücken, Hamburg und Baden-Baden Chefdirigenten-Positionen in Opernhäusern und bei den Zeitgenössischem verpflichteten Rundfunkorchestern ausgefüllt.

Dem Musikdramatiker, Literaturliebhaber und James-Joyce-Kenner Zender öffnete die Wahl des „Ulysses“-Stoffes für seine Oper „Stephen Climax“ das Tor zu einem musikalischen Stil-Pluralismus, der Schule machte und Klangsinnlichkeit nicht ausschließt.

Von 1971 bis 1984 war Zender Chefdirigent des damaligen Rundfunk-Sinfonieorchesters Saarbrücken. Zender studierte an den Musikhochschulen Frankfurt und Freiburg. 1964 wurde er Chefdirigent in Bonn, 1968 Generalmusikdirektor in Kiel. Nach Saarbrücken ging er 1984 an die Hamburgische Staatsoper. Ab 1988 stand er am Pult des NDR-Sinfonieorchesters und übernahm eine Professur für Komposition an der Frankfurter Musikhochschule. Als Gastdirigent wirkte er in den Zentren des internationalen Musiklebens, unter anderem bei den Bayreuther Festspielen.

Neben seiner Dirigententätigkeit war Zender nicht nur Hochschullehrer, sondern auch Komponist. 1986 stellte er in Frankfurt mit „Stephen Climax“ seine erste Oper vor. 1993 folgte in Stuttgart „Don Quijote de la Mancha“. 2005 fand in Berlin die Uraufführung von „Chief Joseph“ statt. Daneben entstanden zahlreiche andere Werke wie beispielsweise ein „Dialog mit Haydn“ für zwei Klaviere und drei Orchestergruppen, eine Bearbeitung von Schuberts „Winterreise“ für Ensemble oder „33 Veränderungen über 33 Veränderungen“ über Beethovens Diabelli-Variationen.

Zender galt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Komponisten in Deutschland, der die vielfältigsten Einflüsse in seinem Werk verarbeitete. „Besonders die beiden zuletzt erschienenen Bücher ‚Waches Hören. Über Musik‘ (2014) und ‚Denken hören – Hören denken‘ (2016) zeigen den Autor in der außerordentlichen philosophischen Verdichtung seines Wissens auf dem Gipfel seiner universalistischen Weltbetrachtung“, hob Hartberger die tiefe theoretische Auseinandersetzung Zenders mit der Musik hervor.

 

© Ö1, Zeit-Ton, 29.10.2019

Playlist:

Komponist/Komponistin: Hans Zender
Komponist/Komponistin: Franz Schubert/1797 – 1828
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Wilhelm Müller/1794 – 1827
Gesamttitel: Schuberts Winterreise, eine komponierte Interpretation – für Tenor und Kammerorchester nach dem Liederzyklus „Die Winterreise DV 911“ / 2.Teil
Titel: 9. Mut – Nr.22 (00:03:18)
Textanfang: Fliegt der Schnee mir ins Gesicht
Solist/Solistin: Hans Peter Blochwitz /Tenor
Ausführende: Ensemble Modern
Leitung: Hans Zender
Länge: 03:18 min
Label: BMG classics 09026680672 (2CD)

Komponist/Komponistin: Hans Zender
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Friedrich Hölderlin/1770 – 1843
Titel: MNEMOSYNE – Hölderlin lesen IV < für Frauenstimme, Streichquartett und Zuspielbänder >
* (Cut 8:) 2.Strophe (00:08:36) – Ausschnitt
Solist/Solistin: Salome Kammer /Stimme
Ausführende: Klangforum Wien /Mitglieder
Ausführender/Ausführende: Annette Bik /Violine
Ausführender/Ausführende: Sophie Schafleitner /Violine
Ausführender/Ausführende: Dimitrios Polisoidis /Viola
Ausführender/Ausführende: Andreas Lindenbaum /Violoncello
Leitung: Hans Zender
Länge: 08:36 min
Label: KAIROS KAI 0012522

Komponist/Komponistin: Hans Zender
Titel: Lo-Shu III – für Flöte solo und 24 Instrumente < 2 Oboen,2 Klarinetten Baßklarinette, Horn, 2 Trompeten, 2 Posaunen, Tuba, 4 Perc., 2 Klaviere, 2 Gitarren, 3 Violinen und 3 Violoncelli >
* 3.Satz (00:03:03)
Solist/Solistin: Helen Bledsoe /Flöte
Ausführende: musikFabrik
Leitung: Hans Zender
Länge: 03:03 min
Label: cpo 9997712

Komponist/Komponistin: Hans Zender/geb.1936
Komponist/Komponistin: Franz Schubert/1797 – 1828
Gesamttitel: SCHUBERT EPILOG – SCHUBERT IM INTERESSE DER MUSIKALISCHEN AVANTGARDE
Gesamttitel: SCHUBERT CHÖRE Nr.1 -4 < Vokalpart original, Klavierbegleitung wurde durch eigene Kompositionen ersetzt >
Titel: Der Gondfelfahrer DV 809 op.28 – Bearbeitung für Männerchor u.Orchester
Textanfang: Es tanzen Mond und Sterne den flücht’gen Geisterreihn
Chor: Chor der Bamberger Symphoniker /Männerchor
Choreinstudierung: Rolf Beck
Orchester: Bamberger Symphoniker
Leitung: Jonathan Noll
Länge: 02:29 min
Label: Tudor 7131

Komponist/Komponistin: Hans Zender/geb.1936
Vorlage: Heraklit
Vorlage: Fragmente
Album: ATELIER SCHOLA CANTORUM 4
Titel: Fragmente < Canto V > – für gemischten Chor a cappella nach fragmentarischen Texten von Heraklit
Ausschnitt
Chor: Schola Cantorum Stuttgart
Choreinstudierung: Clytus Gottwald
Länge: 06:43 min
Label: Cadenza 800894

Komponist/Komponistin: Hans Zender
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: James Joyce/1882 – 1941
Titel: Musikprotokoll ’89 – steirischer herbst
Titel: DUBLINER NACHTSZENEN – Ein konzertanter Querschnitt durch die Joyce Episoden aus der Oper „Stephen Climax“
* 1. Einzug < 2.Akt Szene 1 >
Ausschnitt
Orchester: Radio Symphonieorchester Wien
Leitung: Hans Zender
Solist/Solistin: Wolfgang Holzmair /Stephen
Solist/Solistin: Sophia Bart /Bella
Solist/Solistin: Richard Salter /Bloom, Bariton
Solist/Solistin: Karen Rambo /Florry
Solist/Solistin: Barry Mora /Lynch
Solist/Solistin: Claudia Eder /Kitty, Alt
Solist/Solistin: Volker Vogel /Prof.Maginni, Tenor
Solist/Solistin: Nanzy Shade /Zoe, Sopran
Länge: 08:04 min
Label: MP 89 UE 90

Komponist/Komponistin: Hans Zender/geb.1936
Gesamttitel: ein UEberrASchungskonzert ZUM 90.GEBURTSTAG VON ALFRED SCHLEE
Titel: Fünf Haiku
Ausführende: Arditti String Quartet
Ausführender/Ausführende: Irvine Arditti /Violine
Ausführender/Ausführende: David Alberman /Violine
Ausführender/Ausführende: Garth Knox /Viola
Ausführender/Ausführende: Rohan de Saram /Violoncello
Länge: 03:31 min
Label: Universal Edition (unverkäufl.

Komponist/Komponistin: Hans Zender
Komponist/Komponistin: Franz Schubert/1797 – 1828
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Wilhelm Müller/1794 – 1827
Titel: Schuberts WINTERREISE, eine komponierte Interpretation – für Tenor und Kammerorchester nach dem Liederzyklus „Die Winterreise DV 911“ / 1.Teil
Titel: 8. Rückblick – Nr.8 (00:02:15)
Solist/Solistin: Hans Peter Blochwitz /Tenor
Ausführende: Ensemble Modern
Leitung: Hans Zender
Länge: 02:15 min
Label: BMG classics 09026680672 (2CD)

Komponist/Komponistin: Hans Zender/geb.1936
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Hans Zender/geb.1936
Vorlage: Bibel AT /Hoheslied
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Wilhelm Fuhrmann /Wort f Wortübers.d.hebr.Original textes
Titel: SHIR HASHIRIM – Lied der Lieder < Canto VIII > – Oratorium in 4 Teilen für Soli, Chor, Live Elektronik und großes Orchester < 1992-1996 >
Titel: 8. 4.SATZ: Mit mir vom Libanon, Braut Mit mir vom Libanon komm / Tenor, Sopran (00:09:12) – Ausschnitt
Leitung: Sylvain Cambreling
Orchester: SWR Symphonieorchester Baden-Baden und Freiburg
Solist/Solistin: Julie Moffat /Sopran
Solist/Solistin: Matthias Klink /Tenor
Solist/Solistin: Roswitha Staege /Flöte
Solist/Solistin: Uwe Dierksen /Posaune
Solist/Solistin: Christoph Schulte /Elektronik
Solist/Solistin: Christoph Grund /Keyboard
Chor: SWR Vokalensemble Stuttgart
Choreinstudierung: Michael Alber
Länge: 09:12 min
Label: Kairos 0012612 KAI (2 CD)

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