Schon der Titel ihres ersten Romans war Programm: „Riesenzwerge“, veröffentlicht im Jahr 1964. Denn vor allem in ihren frühen satirischen Texten steigerte Gisela Elsner das kleine Leben der Spießer und Möchtegerne gekonnt ins Hysterisch-Monströse.

Von Justina Schreiber

In „Die Zähmung“ verkümmert ein Gatte zum geschlechtsneutralen Putzteufel; in „Der Nachwuchs“ verausgabt sich ein Ehepaar in atemlosen Treibjagden nach den Selbstverständlichkeiten des alltäglichen Lebens. Gisela Elsners „böser Blick fürs Detail“, ihre scharfzüngigen, bissigen Kommentare zur satten bundesrepublikanischen Wirklichkeit der 60er und 70er Jahre trugen ihr Preise und Anerkennung ein. Aber die Schriftstellerin mit der dramatischen schwarzen Mähne konnte nicht halten, was sie versprach. Ihre späteren Werke wirkten allzu konstruiert und manieriert. Die 1937 geborene Tochter aus gutem Nürnberger Hause etablierte sich nie; weder privat noch literarisch. Die erklärte Kommunistin, die zeitlebens nicht von ihrer radikal antibürgerlichen Haltung abrückte, beging am 13. Mai 1992 Selbstmord; politisch enttäuscht und von Verfolgungswahn gequält mangelte es ihr an jeglicher Perspektive.

Justina Schreiber porträtiert eine Schriftstellerin, die eine solitäre Erscheinung war, aber trotz ihres „brüchigen“ Oeuvres als Wegbereiterin einer weiblichen Tradition moderner Satire gelten kann. Am 2. Mai dieses Jahres wäre Gisela Elsner 80 Jahre alt geworden – und der 13. Mai ist ihr 25. Todestag.

© Bayern 2, Nachtstudio, 30.4.2017

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