„Ich habe nie richtig geübt“ Pat Metheny im Interview mit Reinhard Köchl

Der Jazzgitarrist Pat Metheny hat 20 Grammys gewonnen. Noch immer verlässt er sich auf Naivität und seinen musikalischen Instinkt.

Hat Pat Metheny sich etwa von seinem charakteristischen Ringelshirt verabschiedet? Im Zoom-Meeting bleibt die Kamera aus und diese Frage somit offen. Alle anderen beantwortet der 66-jährige Gitarrist und Komponist ebenso geduldig wie eloquent. Wir sprachen mit ihm über 42-saitige Spezialgitarren, den Tod alter Helden, die Aussichten junger Talente und Methenys neues Album „Road to the Sun“.

ZEIT ONLINE: Früher begann mit dieser Frage ein Small Talk, heute hat sie fast schon elementare Bedeutung: Wie geht es Ihnen?

Pat Metheny: Tja, wir leben in einer verrückten Zeit. Meiner Familie und mir geht es gut, mir bleibt sogar mehr Zeit als sonst für meine Tochter Willow und meine Söhne Jeff Kaiis und Nicolas Djakeem. Alles okay also, ich befinde mich in einer privilegierten Position. Bei vielen anderen Musikern ist jedoch gar nichts mehr okay. Junge Leute mit viel Talent verzweifeln, obwohl sie erst am Anfang ihrer Karriere stehen. Sie fallen in tiefe Löcher, weil sie nicht mehr zeigen dürfen, was sie können. Das ist nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine psychologische Katastrophe. Eine ganze Generation von Musikern geht gerade vor die Hunde.

ZEIT ONLINE: Gleichzeitig sterben alte Galionsfiguren. Kürzlich erst Chick Corea, mit dem Sie zusammengearbeitet haben, und letztes Jahr Lyle Mays, der 27 Jahre lang Keyboader in ihrer Pat Metheny Group war. Was geht da in Ihnen vor?

Metheny: Man beginnt, darüber nachzudenken, wie viel Zeit einem selbst noch bleibt. Ich werde im August 67, da könnten also schon noch einige gute Jahre kommen. Aber Sie haben recht: Einige der Besten sind gestorben. Jaco Pastorius, Michael Brecker, Charlie Haden, dann natürlich Lyle und Chick. Das waren nicht nur Künstler, zu denen ich eine enge musikalische Beziehung aufgebaut hatte, sondern auch gute Freunde von mir. Jetzt muss ich mir andere Leute suchen, die mit mir auf die Reise gehen wollen.

© Zeit Online, Kultur, 7.3.2021

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