„Der Rebell mit dem Bundesverdienstkreuz“ war in einem Artikel über ihn zu lesen und „Rebell“ zu sein, trifft auf den stets streitbaren Verleger mehr als zu. Er hat dem deutschsprachigen Publikum Autoren wie Pier Paolo Pasolini, Erich Fried aber auch Franz Kafka näher gebracht.

Gestaltung: Petra Herczeg und Rainer Rosenberg

1930 in Berlin geboren, arbeitete der gelernte Buchhändler und promovierte Geisteswissenschafter einige Jahre als Lektor, bis er zum Verleger und Sprachrohr der Studentenbewegung wurde.

Sein Vater schenkte ihm ein Grundstück, damit er seinen Verlag gründen konnte. Als dann die Auseinandersetzungen im Verlagskollektiv zum Bruch führten, gründete er den Verlag zum zweiten Mal: Die Veröffentlichung einiger Publikationen sorgte für politische Skandale und brachte ihn vor Gericht und ins Gefängnis. Dennoch schaffte es Klaus Wagenbach immer wieder, weiter Bücher zu verlegen.

Seine Autor/innen kamen und kommen aus West und Ost. Als er 1968 Wolf Biermann verlegt, darf er nicht mehr in die DDR einreisen und kann Berlin nur mehr mit dem Flugzeug verlassen. Meinung und sein Einsatz für Meinungsfreiheit schufen ihm auf allen Seiten Feinde.

Klaus Wagenbach begründete das Interesse für italienische Literatur in Deutschland und Österreich. Der Unermüdliche erfindet und startet Reihen für die Literatur: mit Enzensberger wird das „Kursbuch“ fortgeführt, der „Freibeuter“ und die Reihe „Salto“ erfunden.

2002 hat sich Wagenbach aus der Verlagsführung zurückgezogen und sie Susanne Schüssler übergeben, auf Lesereisen liest er gerne aus „Mein Italien“ – schließlich liebt er das Land schon seit seiner ersten großen Italien-Tour – mit dem Fahrrad im Jahre 1951.


© Ö1, Museum der Meisterwerke, 27.8.2017

Klaus Wagenbach Literaturliste laut Literaturhaus

Geb. 1930 in Berlin. Verleger und Publizist. Ab 1949 Lehre bei Suhrkamp und S. Fischer Verlag. Studium der Germanistik, Kunstgeschichte und Archäologie. 1957 Lektor im Modernen Buchclub Darmstadt, ab 1959 Lektor für deutsche Literatur bei S. Fischer. 1964 Gründung des Verlags Klaus Wagenbach für zeitgenössische Literatur, seit 1966 Verleger von Erich Fried (Gesammelte Werke, 1993/1998). Persönlicher Publikationsschwerpunkt: Franz Kafka, italienische Literatur. Herausgeber von Anthologien und Reihen des Verlags (Kursbuch, Freibeuter). Italienischer Staatspreis (1990), Bundesverdienstkreuz 1990. Honorarprofessor für Neuere deutsche Literatur an der FU Berlin, wo er lebt.

Publikationen (Auswahl):

Wagenbach, Klaus: Franz Kafka. Biographie seiner Jugend. 1883 – 1912 (1958)
Franz Kafka in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten (1964)
Eintritt frei. Beiträge zur öffentlichen Meinung (1982)
Franz Kafka. Bilder aus seinem Leben (1983, erw. Neuausgabe 1994)
Kafkas Prag. Ein Reiselesebuch (1993)
Umberto Eco. Mein verrücktes Italien (2000)

Herausgebertätigkeit:

Paul Celan. Gedichte. Eine Auwahl (1961)
Mendele Mocher Sfurim (1961)
Das Atelier 1,2. Deutsche Lyrik und Prosa der Gegenwart (1962)
Kafka-Symposium. Datierung, Funde, Materialien (1965)
Lesebuch. Deutsche Literatur der sechziger Jahre (1968)
Franz Kafka. In der Strafkolonie (1975)
Jetzt schlägt’s 13. Deutsche Literatur aus 13 Jahren (1977)
Lesebuch. Deutsche Literatur zwischen 1945 und 1959 (1980)
Tintenfisch. Zweibändige Neuausgabe 1967-1976 (1981)
Karnickel, Karnickel. Handbuch für das allgemeine Kaninchenwesen anläßlich hundertfacher Vermehrung der Taschenbücherei (1983)
Christa Reinig. Feuergefährlich (1985)
Stephan Hermlin. Traum der Gemeinsamkeit (1985)
Giorgio Manganellis Lügenbuch (1987)
Das schwarze Brett. Ein Lesebuch anläßlich des 25. Geburtstag des Verlages (1989)
Erich Fried. Gründe. Gesammelte Gedichte (1989)
Deutsche Orte (1991)
Italienische Liebesgeschichten (1991)
Peter Rühmkorf. Komm raus! (1992)
Erich Fried. Gesammelte Werke. 4 Bde. Hg. von Volker Kaukoreit und Klaus Wagenbach (1993)
Amore! oder der Liebe Lauf (1994)
Franz Kafka. Ein Landarzt (1994)
Wieso Bücher? (1994)
Erich Fried. Gedichte (1995)
Erich Fried, und Vietnam und (1996)
Luigi Malerba, Närrische Welt (1997)
Italo Calvino. Der verzauberte Garten (1998)
Erich Fried. Eine Chronik (Mithg. 1998)
Nach Italien! (1999)
Italienische Liebesgeschichten (2000)

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