„Ich brauche die von außen einfließende Inspiration“ Karl Lippegaus mit dem Gitarristen Jakob Bro im Gespräch

„There is no hurry to this music, but there is great depth.“ Das schrieb die ‚London Jazz News‘ über die Musik des dänischen Gitarristen Jakob Bro. Ein Gespräch über sein Album „Uma Elmo“, seine Vergangenheit als Trompeter in einer Kinder-Bigband des Vaters, seine beiden Kinder und das ganze „new normal“, wenn es denn schon eins wäre. Köln, 25.3.2021

„Ich fand es ziemlich schwierig, ich war schüchtern als Kind. Es fühlte sich so seltsam an, eine Bühne zu betreten mit einem Horn, das eine derartige Klangmasse projiziert. Immer mehr sträubte ich mich dagegen, mochte es eigentlich nicht, außer wir probten ohne Publikum. Ich erinnere mich: es war ständig irgendwas los und wir mussten wieder vor Publikum auftreten. Etwas in mir stemmte sich dem schon früh entgegen. Bis heute habe ich damit zu kämpfen und finde es manchmal jetzt noch befremdlich, so meinen Lebensunterhalt zu verdienen.“

„Immer trage ich eine Vision mit mir herum, wie die Musik klingen wird. Es ist dann stets aufregend, im Studio zu erleben, was sich daraus wirklich entfaltet. Man kann nie voraussagen, wie‘s klingen wird. Es ist wie ein Geburtsvorgang und dann heißt es, sich mit all den Dingen vertraut zu machen. Eine Aufnahme ist auch wie eine Reise, die am Tag eins beginnt. Ich mag sehr die Tage danach, alles nochmal zu hören, um herausfinden, was da eigentlich passiert ist. Dabei entdecke ich immer neue Aspekte an dem, was Arve (Henriksen) und Jorge (Rossy) da tun.

„Balladeering“, so lautet das Wort, mit dem der Saxofonist Lee Konitz die Spielweise von Jakob Bro aus Kopenhagen charakterisierte. Konitz empfand dieses improvisierende Vorgehen als balladesk, sprich die Tendenz, aus allem einen etwas getragenen, gleichsam inneren Gesang zu machen. Diese Musik sei wie das Licht, „etwas an den Rändern Sichtbares, das sich seinen Weg bahnt durch Gestrüpp und Unterholz,“ schreibt Jørgen Leth im Beiheft zu deinemAlbum „Balladeering“. Ich musste an einen Satz von Andre Previn über Ellington denken: Duke merely lifts his finger, three horns make a sound, and I don’t know what it is!“

„Natürlich ist „Uma Elmo“ anders als frühere Alben, auch weil eine komplett neue Formation da agiert. Mit Jorge hatte ich schon in verschiedenen Formationen gespielt, wir kamen uns immer näher. Arve hatte ich immer mal wieder gehört, aber wir waren uns noch nie begegnet. Wie immer, wenn ich mich auf eine Plattenaufnahme vorbereite, stelle ich mir die Musiker und ihren spezifischen Klang vor und versuche Stücke zu schreiben, die dazu passen. Ich suche allerdings auch nach Situationen, die damit kontrastieren. Bei diesem Album wurde mir klar, dass einem das viel Freiheit gewährt, etwa was den harmonischen Aspekt betrifft, wenn man den Bass weglässt.“ © Texte: Karl Lippegaus

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