Mircea Cartarescu, der am 1. Juni 64 Jahre alt wird, gilt als wichtigster zeitgenössischer Autor Rumäniens. In seinen großen Romanen der Orbitor-Trilogie wird Bukarest zu einem phantastischen Universum, in dem nicht nur die eigene Familiengeschichte spielt, sondern auch der Staatssozialismus in der Erinnerung seltsam schreckliche Blüten treibt.

Von Simone Hamm

Bukarest, das ist die Stadt, in der Mircea Cartarescu 1956 geboren wurde und in der er sein ganzes Leben verbracht hat. Hier hat er studiert, hier hat er an der Universität gearbeitet, hier hat er angefangen, Gedichte zu schreiben. In den drei Romanen der Orbitor Trilogie irrlichtern seine Protagonisten durch ein apokalyptisches, phantasmagorisches Bukarest. Mircea Cartarescu hebt in seinen Romanen die Grenzen zwischen Traum und trister Wirklichkeit, zwischen Innen- und Außenwelt, zwischen Raum und Zeit auf. Bei ihm muss man sich als Leser einlassen auf Wahn und Halluzinationen, morbide Erotik und psychedelische Träume, die fast immer zu Alpträumen werden. Aber auch auf bitterböse, urkomische Satire.

Mircea Cartarescu schreibt in seinen vielfach preisgekrönten Romanen über Adoleszenz, erwachende Sexualität, Geheimbünde, Insekten, manieristische Gemälde, die komplexe Struktur einer Familie, seine Mutter und sehr viel über sich selbst. Und immer wieder über Bukarest. So wie Flaubert sagt, er sei Madame Bovary, so sagt Cartarescu, er sei Bukarest.

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© WDR 3, Kulturfeature, 31.5.2020

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