Im letzten Teil von Virginia Woolfs Roman, der in der Virtuosität der modernen Erzähltechnik als ihr vollkommenster Roman gilt, kehrt die Familie Ramsays nach 10 Jahren kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges in das alte Landhaus zurück.

Die lange verschobene Fahrt zum Leuchtturm wird nachgeholt. Dabei erkennen die jungen Mitglieder der Familie, dass es wichtiger ist, ihren eigenen künstlerischen Visionen zu folgen als irgendeinem Generationenvermächtnis gerecht zu werden.

Die Figuren und ihre Wahrnehmungen

Am Anfang steht die Frage des kleinen James Ramsay, ob die für den nächsten Tag geplante Segeltour zum Leuchtturm stattfinden wird. Das Wetter verhindert den Ausflug. Zehn Jahre vergehen bis zur Erfüllung seines Kindheitstraums, womit der Roman endet. Anhand der Erlebnisse der Familie Ramsay und einiger Freunde in einem schottischen Ferienhaus verschachtelt Woolf die Gleichzeitigkeit und Unordnung von unmittelbar erfahrenem und reflektiertem Leben. Sie kontrastiert einen auf die Menschen gerichteten Blickcluster mit der vom menschlichen Schicksal ungerührt fortschreitenden Zeit, in der Kriege und menschliche Tragödien nur winzige, unwichtige Episoden darstellen.

Akustische Umsetzung

Diese Perspektive ist akustisch markiert vom Geräusch der am Strand sich brechenden Wellen, was gleichzeitig bedrohlich und beruhigend wirkt. Virginia Woolf wusste früh, dass dieser Roman vom Klang des Meeres unterlegt sein sollte.

 

Zum Leuchtturm (3/3) Nach dem gleichnamigen Roman von Virginia Woolf

Mit: Zoe Hutmacher, Wiebke Puls, Krista Posch, Walter Hess, Shenja Lacher u. a.
Hörspielbearbeitung: Gaby Hartel
Komposition: Ulrike Haage
Regie: Katja Langenbach
(Produktion: BR 2016)

© SWR 2, Hörspiel, 21.2.2019

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