Hörspiel: „Triumph der Farben“ Von Oswald Egger / Ursendung

»Drumsagen, ein Umstrudel habe mir – dwätsch – allerlei Zwirbel … Diese von Ungewitterzuckungen zerrußte Finsternis jetzt, die Flächenblitznetze aus unblutigen Stegen, die Nuppeln, die herausgekniffen sind, all das Gebrodel gerinnt stinkig und graublau beriffelt, mit anfallenden Brandbahnen undurchsetzt und abgesprenkelt, brieselig, verblättert, wie Haut, und wie Milch.« Oswald Egger, »Triumph der Farben«

Dichtung als Welterkenntnis gebietet, gerade im schnelllebigen Medienzeitalter, Einhalt gegen den abgenutzten Sprachgebrauch, und so ist sie nicht einfach zu verstehen, wenn sie radikal ihrem Anspruch folgt; schließlich widersetzt sie sich dem selbstverständlichen Verstehen, um andere, vielleicht verschüttete oder neue Erfahrungen zu erschließen. Dichtung rettet die Welt nicht, aber sie ringt mit ihr.
In Oswald Eggers »Triumph der Farben« verschränken und vernetzen sich Alltagsbeschreibungen mit Nonsenssprüchen, Worterkundungen im spracharchäologischen Sinne mit dialektalen Wendungen sowie Wissenschafts- mit Kindersprache. Das alles ist nach einer strengen Partitur strukturiert. Der Transfer in die akustische Hörspiel-Färbung verleiht ihr die Leichtigkeit der sprachmusikalischen Bewegung, des Klangs, der nicht immer die Frage nach der Bedeutung stellt und gleichwohl beglückt.

„Triumph der Farben“ Von Oswald Egger

Mit: Brigitta Falkner, Franziska Fuchsl, Handl Klaus, Bodo Hell u. a.
Regie: Iris Drögekamp
(Produktion: ORF/SWR 2019 – Ursendung)

Oswald Egger, geboren 1963 im Südtiroler Tscherms, lebt als vielfach ausgezeichneter Schriftsteller in Wien und auf der ehemaligen Raketenstation Hombroich bei Neuss. Seit 2011 ist er Professor für Sprache und Gestalt an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel. Für die SWR Hörspiele »Ohne Ort und Jahr« und »Linz und Lunz« erhielt er 2010 respektive 2013 (jeweils zusammen mit Iris Drögekamp als Regisseurin) den Karl-Sczuka-Preis für Radiokunst.

© SWR 2, Hörspiel, 19.9.2019

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