Hörspiel: Thomas Harlan – Heldenfriedhof

Am 20. Mai 1962 werden auf dem Triester Heldenfriedhof 14 Tote in frisch ausgehobenen Gruben entdeckt. Die Selbstmörder, die mit Bergsteigerausrüstung und bunten Murmeln in den Taschen in Paaren zusammen liegen, geben ein verstörendes Bild ab.

Die Frage nach Herkunft und Motiv der Toten durchzieht den Roman, der zu großen Teilen aus Dokumenten und Protokollen, bzw. Berichten, die solche zitieren, besteht. Nach und nach wird offenbar, dass es sich um Überlebende des nationalsozialistischen Kommandos „Reinhard“ handelt, dem während des Zweiten Weltkriegs die Triester Reismühle „San Sabba“
als Gefängnis- und Hinrichtungsstätte diente. Die Spurensuche führt unter anderem nach München in die Bräuhausstraße, in der der kollektive Selbstmord unter dem Deckmantel einer Tarnfirma akribisch geplant wird. Es geht um die Erfüllung eines alten Eides, dem Feind nicht lebendig in die Hände zu fallen. “

Der Roman Heldenfriedhof ist ein irritierendes Kaleidoskop, vielschichtig, schillernd, oszillierend. Die beiden daraus entwickelten Hörspiele beschreiten, jedes für sich, verschiedene Wege, um aber dennoch zum selben Ziel zu gelangen. Sie ermöglichen eine Reise in die Vergangenheit, die Wirklichkeit, und eine Reise in die Zukunft, die Fiktion. Zusammen ergeben sie das Spiegelkabinett Gegenwart.“ (Michael Farin)

Thomas Harlans Roman ist ein Kosmos aus unzähligen historischen wie fiktiven Personen und spielt an so verschiedenen Orten wie Triest, Mosambik und der Ramsau. In verschiedenen Erzählstilen werden Ereignisse zwischen 1942 und 2000 behandelt. Schlüsselfigur in dem Geschehen ist Enrico Cosulich, der als Leiter des Instituts für forensische Medizin in Triest und als Sohn eines der Opfer von „San Sabba“ mit den Selbstmördern in Verbindung steht.

Cosulich schreibt jedoch auch selbst an einem Folgeroman mit dem Titel Heldenfriedhof, der einen „Untersuchungsbericht, ein bis ins Unendliche reichendes Forschungsprojekt“ darstellt. Der Tag, an dem der erste Teil dieses Romans veröffentlicht wird, ist genau jener 20. Mai 1962, an dem sich das darin Erzählte tatsächlich ereignet. Realität und Fiktion verbinden sich zu einer Schleife, die sich bis zum Ende des Romans nicht löst.

Teil 1:

Teil 2:

„Heldenfriedhof“ Ich bin nicht mehr in mir – Das Leben des Enrico Cosulich
Von Thomas Harlan
Mit Friedhelm Ptok, Sylvester Groth, Peter Fricke, Krista Posch und anderen
Bearbeitung: Michael Farin
Komposition: Martina Eisenreich
Regie: Ulrich Lampen
BR 2006

Thomas Harlan (1929-2010), deutscher Schriftsteller, Dramatiker und Filmemacher. Filme u.a. „Torre Bela“ (1976), „Wundkanal“ (1984), „Souvenance“ (1990). Theaterstücke u.a. „Bluma“ (1953), „Ich selbst und kein Engel“ (1957), „Catherine XXIII“ (1993). BR-Hörspiele: „Rosa – Die Reise nach Kulmhof“ (2001), „Rosa – Die Akte Rosa Peham“ (2001, Hörspiel des Monats April), „Veit“ (2011, Hörspiel des Monats März).

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