„Meine Gemälde können nicht fliegen. Sie sind eine mit Gewicht versehene Haut, die eine verletzliche Wand bildet. Meine Gemälde sind real, wenn auch romantisch. Sie haben Schichten aus Farbe, gebrochene Ränder und eine Oberfläche, die ein Körper aus Licht ist.“
Sean Scully, geboren 1945 in Dublin, ist einer der bedeutendsten abstrakten Maler seiner Generation. In seinen oft großformatigen Gemälden schichtet er Farben übereinander zu opulenten Gemälden. Für die Bildkomposition unterteilt Scully die Leinwände meist streng in vertikale und horizontale Streifen, der Farbauftrag ist emotional und gestisch.

Es entstehen „Walls of Light“, poetische Farb-Wälle von großer physischer Wucht, kraftvoll und durchlässig zugleich. „Ich glaube“, so Sean Scully, „Kunst ist eine Wunde, in einem Tanz mit der Liebe. Und wenn die Wunde und die Liebe gleich groß sind, können sie gut zusammen tanzen.“
In seinen Schriften lotet Scully verspielt aus, was seine Kunst inspiriert, fragt sich, woher sie kommt, und was sie ihm bedeutet. Und er erinnert sich, etwa an seine ersten Skulpturen, die er als Teenager bei Gelegenheitsjobs für die Warenhauskette Woolworth fabrizierte. Kartonverpackungen musste er dort zu stark komprimierten Paketen zusammenpressen. „Jeden Samstag bevölkerte ich den Hof hinter Mrs. Woolworth’s riesigem Warenhaus mit einer abstrakten, prachtvollen Installation der Arbeiterklasse. Ich schuf bereits knallharte Kunst, und ich war erst 15.“
In seinem Atelier im bayerischen Mooseurach empfängt Sean Scully das Klangkünstler-Duo Merzouga und liest aus seinen Gesammelten Schriften.
Die Klangkomposition von Merzouga nimmt Motive aus Scullys Werk auf und übersetzt sie musikalisch. Scullys Stimme trifft auf akustische Schichtungen aus Instrumentalklang, Geräusch und Elektronik, die sich zu vibrierenden Klangwänden aufschwingen. Aus den ,Walls of Light’ werden ,Walls of Sound’.

Manuskript PDF

The Language of Light – Music to the Work of Sean Scully
Von Merzouga
Komposition & Regie: Merzouga
Redaktion: Soila Valkama/Sabine Küchler
Produktion: Yleisradio Finnland/Dlf 2019
Länge: 49’40 Ursendung

© Deutschlandfunk, Hörspiel, 18.2.2020

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