Hörspiel „Simeliberg“ nach einem Roman von Michael Fehr

Oben die Stadt, die Zivilisation, unten der Sumpf, das Tal, die Unterwelt, in der Ungeheuerliches geschieht – dieses Setting ist die Welt von Simeliberg. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich Gemeindeverwalter Griese, der von der Sozialhilfebehörde losgeschickt wird, um den Bauern Schwarz aus dem Tal in die Stadt zu holen.

Denn die Frau des Bauern ist verschwunden und Gerüchte machen die Runde. Wider Willen wird Griese in Ereignisse verstrickt, die immer undurchsichtiger werden. Der angeblich arme Schwarz zeigt ihm eine Geldkassette mit Bündeln von Geldscheinen. Kurz nachdem der Bauer in der Stadt in Gewahrsam genommen wurde, explodiert sein Haus. Sieben junge Männer kommen dabei um, offenbar haben sie den Bauern als Guru verehrt. Doch als Griese – als Halbdeutscher sowieso kein vollständig anerkanntes Mitglied des sozialen Gefüges – auf eigene Faust zu ermitteln beginnt, wendet sich die Stimmung im Ort gegen ihn und Unterstellungen werden laut.

Kai Grehns Hörspielinszenierung lässt den Text gewissermaßen wieder in seinen Ursprungszustand zurückkehren: in die gesprochene Sprache. Denn der Autor erstellt seine Werke aufgrund einer Augenkrankheit nicht schreibend, sondern indem er ein Computerprogramm seine Stimme aufzeichnen lässt. Konsequenterweise übernimmt Fehr auch in der Hörspielfassung die Rolle des Erzählers. Mit ganz eigentümlicher Rhythmik löst Fehr das Gleichnis ein, das er an anderer Stelle einmal ausgegeben hat: „Artikulation gleich Perkussion.“ In seiner Reduziertheit ist dem Text damit ein hohes Maß an Musikalität eigen.

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„Simeliberg“ nach einem Roman von Michael Fehr

Realisation: Kai Grehn
Produktion: BR/RB 2018
Länge: ca. 83`

Michael Fehr, geboren 1982, lebt als Autor in Bern. Für „Simeliberg“ u.a. Auszeichnung mit dem Bayern 2 Wortspielepreis 2015. Weiteres Hörspiel: „Babel und die Studentin und ein Rebhuhn auseinandernehmen“ (SRF 2015). Außerdem Mitbegründer von „Babelsprech“, einem Projekt zur Förderung junger deutschsprachiger Lyrik.

© Bremen 2, Hörspiel, 2.4.2018

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