Der utopische Prosatext „Schwarze Spiegel” wurde erstmals 1951 publiziert. Arno Schmidt legte den als Niederschrift eines namenlosen Ich-Erzählers konzipierten Text in die nahe Zukunft, genau in den Zeitraum von 1. Mai 1960 bis Ende August 1961. Schauplatz sind provinzielle Randbezirke in der Lüneburger Heide. Atombomben und Bakterien hatten ganze Arbeit geleistet.

Der Erzähler hält sich für den einzigen Überlebenden, ist der letzte Mensch und bewegt sich fünf Jahre nach einem atomaren Krieg mit dem Fahrrad über zerbröckelte Straßen. Das Experiment Mensch analysiert er als gescheitert:
Jahrtausendelang hatten sie sich gemüht – aber ohne Vernunft! Er unterbricht seine Fahrt, um ein Autowrack zu inspizieren, in dem er ein Skelett entdeckt, die Überreste eines plötzlich von der Katastrophe Betroffenen.
Der letzte Mensch ist ein Nomade, angewiesen auf das, was er findet. Die Zukunft stellt er sich als Jäger und Sammler vor. Doch die Jahre des Vagabundierens gehen zu Ende: Ich werde hier ein Haus bauen. Eine Fahrt nach Hamburg dient vor allem der Beschaffung von Büchern aus der Universitätsbibliothek. Ein einfaches Radiogerät gibt keine Auskunft, ob vielleicht irgendwo auf den Südzipfeln der Kontinente andere Menschen leben.
Mit der Brechstange in der Hand und mit zwei umgehängten Waffen fühlt sich der letzte Mensch als Herr der Welt. Doch er lebt in der ständigen Befürchtung, anderen Menschen zu begegnen.
Der Text „Schwarze Spiegel” stellt sich unpopulär und entschieden gegen den Optimismus der Wiederaufbaujahre; Arno Schmidt erschienen insbesondere die frühen 50er-Jahre wie eine Zwischenkriegszeit, ein kurzes Atemholen vor dem Dritten Weltkrieg.

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„Schwarze Spiegel“ Von Arno Schmidt
Regie: Klaus Buhlert
Mit Ulrich Wildgruber, Corinna Harfouch
Produktion: BR 1997

© Deutschlandfunk, Hörspiel, 17.10.2020

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