Maria de Nazaré Lima Tavares, ein 11-jähriges Bauernmädchen, kommt als Angestellte in das Haus eines Ministerrates. Dort schuftet sie Tag und Nacht, schläft mit den anderen Bediensteten im Stehen, putzt Bilderrahmen mit Pinseln. Sooft wie möglich leiht sie sich heimlich Bücher in der hauseigenen Bibliothek und liest diese auf der Toilette und kommt dort zu der Erkenntnis, „dass es sich nicht lohnt, für eine Idee zu sterben, für eine Liebe, ein Traumhaus im Wert von einer Million.“ In mehreren Häusern dient sie, und so autonom ihre Gedanken klingen, so geborgen fühlt sie sich in der Korrektheit der feinen Familien.

Doch das Gedankengut der Revolution in Portugal dringt auch hinter die dicken Mauern des Anwesens und lässt Nazaré nicht unberührt. „Nieder mit den Kapitalisten! Den Großgrundbesitzern! Nieder mit dem Adel! Den Privilegierten! Den verwöhnten Bengeln! Und den schnippischen Gören! Es lebe die Kommunistische Partei Portugals!“ Aufgerieben zwischen Dienst im Haushalt und Dienst an der Nation endet Nazarés Leben schließlich unrevolutionär.

In ihrem Hörspiel verwebt Katharina Franck erlebte, recherchierte und erfundene Erinnerungen, die in anderen Leben, an anderen Orten und auch gleichzeitig zu passieren beginnen.

Nazaré – nicht die Stadt, die Frau
(Eine nicht ganz erfundene Biografie)
Von und mit Katharina Franck
Komposition: Nuno Rebelo
Realisation: Katharina Franck
BR 2007

Katharina Franck, geb. 1963, Sängerin, Songwriterin, Hörspielautorin und Live-Performerin. Weiteres BR-Hörspiel: „Das Signal wurde über Radio gegeben – Ein Cut-Up“ (2007).

© Bayern 2, Hörspiel, 13.11.2017

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